Baobabs pflanzen lohnt sich

Baobab, Mashatu, Botswana

Baobab, Mashatu, Botswana

Baobabs sind großartige Pflanzen mit phantastischen Eigenschaften – sie haben sich ideal an ihre Umgebung angepasst und bieten in ihren Herkunftsländern Nahrung, Wohnraum und Unterschlupf für Mensch und Tier. Sie sind wichtiger Bestandteil in Mythen, Geschichten und Legenden. In vielen Ländern werden sie als Ikonen der Savannen betrachtet. Selbst, wenn man noch keinen der Giganten in der Wildnis gesehen hat, auf Bildern und in Filmen haben sie auch in Europa einen hohen Wiedererkennungswert. Mittlerweile wird das Fruchtpulver aus den Früchten der Bäume weltweit als Superfrucht gehandelt. Baobabs wachsen zahlreich  vor allem im Westen, Osten und Süden des afrikanischen Kontinents.

Baobab

Baobab, Makuleke, Südafrika

Vor einiger Zeit sorgten Forschungsergebnisse zum „plötzlichen“ Absterben uralter Baobabs in den Medien auf der ganzen Welt für Furore. Die Forscher brachten zwar den Klimawandel nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Absterben der Giganten. Ob und wie er sich auf die Bäume auswirkt, wird derzeit erforscht. Diese Studien sind langfristig angelegt, Ergebnisse werden zeigen, inwiefern der Klimawandel eine Rolle für die Affenbrotbäume spielt.

Baobab

Baobab, Makuleke, Südafrika

Andere Faktoren jedoch betreffen die Affenbrotbäume unmittelbar und spielen eine große Rolle, zum Beispiel schwindender Lebensraum. Die Zahl landwirtschaftlich genutzter Flächen und Siedlungsflächen steigt. Savannengebiete sind auf dem Rückzug, Wälder verschwinden und mit ihnen die gigantischen Baobabs. Auf Äckern mit intensiver Bewirtschaftung gedeihen sie nicht gut beziehungsweise werden abgeholzt, weil sie Nutzfläche belegen und Ressourcen verbrauchen, die für Getreide oder Baumwolle eingesetzt werden sollen. Selbst religiöse Verehrung, die den Baobabs früher einen gewissen Schutz bot, zieht heute nicht mehr. Wo die Baobabs früher wie Heiligtümer verehrt und geschützt wurden, zählen alte Werte heute nicht – sie bieten keinen Schutz vor dem Abholzen. Städte wachsen nicht nur in die Höhe, sondern breiten sich auch flächenmäßig weiter aus. Naturbelassene Gebiete sind weltweit auf dem Rückzug.

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Ohnehin haben es Affenbrotbäume schwer mit der Fortpflanzung – obwohl das Auskeimen der vielen Samen, die in den harten Fruchtkapseln stecken, gar nicht das Problem darstellt. Meist ist es – neben ihrem Lebensraum, der arg in Bedrängnis geraten ist – eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, die eine erfolgreiche Vermehrung einschränkt.

Baobab Samen

Baobab Samen

Üblicherweise keimen kleine Baobab-Samen mit dem Beginn der Regenzeit aus. Für gewöhnlich dauert sie mehrere Monate und spendet üppig Regen. Dann haben die kleinen Baobabs über mehrere Monate gute Chancen für ihr Wachstum. In den ersten drei Monaten ihres Wachstums bilden kleine Affenbrotbäume eifrig ihre Pfahlwurzel aus. In einer Verdickung an der Wurzel speichern sie wichtige Nährstoffe und Wasser für die harten Zeiten während der trockenen Wintermonate. Je mehr Zeit sie dafür haben, desto höher ist ihre Chance aufs Überleben. Neben Wasser benötigen die kleinen Pflanzen ausreichend Sonne und Wärme. Diese wichtigen Faktoren sind in ihren Herkunftsländern meist im Überfluss vorhanden. Der limitierende Faktor ist für ganz kleine Baobabs das Wasser. Kommt es nicht regelmäßig über mehrere Monate, trocknen die kleinen Bäume aus.

Baobab Keimling

Baobab Keimling in der Natur

Doch selbst, wenn sie die ersten Monate ausreichend Wasser, Licht und Sonne bekommen, garantiert das ihr Überleben nicht. In den ersten drei Lebensjahren sind sie nicht sicher vor hungrigem Vieh oder Antilopen. Mit den zunehmenden Siedlungsgebieten und landwirtschaftlichen Nutzflächen wird auch das Nutzvieh mehr. Die Zahlen von Rindern, Ziegen und Hühnern explodieren. Die stets hungrigen Tiere sind ständig auf der Suche nach Fressbarem. Sie lieben die schmackhaften Schösslinge kleiner Affenbrotbäume und knabbern sie ab. Ein- bis zweimal kann ein kleiner Baobab eine derartige Fressattacke überleben, dann stirbt er ab. Erst ab einer Höhe von etwa drei Metern sind kleine Baobabs „aus dem Gröbsten“ raus und können alleine Überleben. Meist benötigen sie etwas drei Jahre, um eine sichere Höhe zu erreichen. Dann schaffen sie das Überleben auch alleine.

Baobab Früchte

Baobab Früchte

Ohnehin findet eine erfolgreiche Vermehrung von Baobabs in manchen Regionen nur alle 50 bis 100 Jahre statt. Forscher sprechen beim Baobab von episodischer Vermehrung. Diese klappt nur, wenn alle Bedingungen stimmen – und das ist meist nur in großen zeitlichen Abständen der Fall. Aber für einen Baum, dessen normale Lebenserwartung bei 800 Jahren liegt, reicht es aus, wenn er sich einmal im Leben erfolgreich vermehrt. Zu den Bedingungen zählen eine warme Umgebung, ausreichend Wasser und Schutz vor Fressfeinden.

Selina Malovhele mit Dr. Sarah Venter und Blessing Mamubeda

Selina Malovhele mit Dr. Sarah Venter und Blessing Mamubeda

Weil die Startbedingungen für Affenbrotbäume immer schwieriger zu werden scheinen, gibt es mittlerweile Initiativen wie die der Baobab Foundation von Dr. Sarah Venter in Südafrika. Zusammen mit Frauen in Dörfern in der Limpopo Provinz zieht die Ökologin kleine Baobabs aus Samen und pflanzt sie mit den „Baobab Guardians“ in Hausgärten aus. Die Frauen kümmern sich in den ersten Jahren um die kleinen Bäume. Sie schützen sie vor Verbiss und gießen sie – so lange, bis die Kleinen hoch genug und sicher vor herumstreunendem Vieh sind.

Baobab Hüterin hebt das Loch aus

Baobab Hüterin hebt das Loch aus

Für die Frauen bietet das Pflanzen von Baobab-Samen nicht nur den Vorteil, einen für kommende Generationen wichtigen Obstlieferanten im Garten zu haben. Sie bekommen für das Pflanzen und die Pflege der Baobabs eine Aufwandsentschädigung, die ein willkommenes Zubrot darstellt. Gerade die Provinz Limpopo in Südafrika zum Beispiel gilt als einkommensschwach. Sie hat an Arbeitsmöglichkeiten für die Frauen wenig zu bieten. Viele der Frauen haben kaum Schulbildung genossen. Sie verdingen sich als Tagelöhnerinnen in der Landwirtschaft oder auf dem Bau, wann immer Arbeit für sie da ist.

Aufwandsentschädigung wechselt Besitzerin

Aufwandsentschädigung wechselt Besitzerin

Einnahmen durch das Pflanzen von Baobabs oder das Sammeln von Früchten für den Export helfen den Frauen. Mit dem zusätzlichen Geld finanzieren sie den Schulbesuch ihrer Kinder, starten ein kleines eigenes Business oder bauen ein eigenes Haus. Der einzige Wermutstropfen beim Pflanzen der Bäume: gerade in Limpopo tragen die Affenbrotbäume erst relativ spät Früchte. Manche benötigen 100 Jahre und mehr, bis sie das erste Mal Blüten und Früchte produzieren. um das erste Mal Blüten und Früchte zu produzieren. Das ist eine lange Zeitspanne, um Menschen für die Pflege zu motovieren, bevor sie die ersten Früchte ihres Einsatzes einfahren können.

Spaß auf der Rutsche

Spaß auf der Rutsche

Die Baobab Foundation sorgt aber nicht nur für zusätzliches Einkommen. Sie engagiert sich zudem im Bildungsbereich. Im Wirkungsbereich der Stiftung konnten mittlerweile mehrere Vorschulen erfolgreich gebaut und für die Kinder ausgestattet werden. Sie verteilt Bildungsmaterialien zum Thema Affenbrotbäume in den Schulen und hat eigens ein kleines Buch mit wichtigen Informationen herausgebracht. Von den Kindern wird es gerne angenommen. So will die Stiftung bei den Kindern Interesse für Natur- und Umweltthemen wecken. In der Hoffnung, dass das, was wertgeschätzt wird, auch in Zukunft Schutz findet.

Baobabsetzlinge, Limpopo, Südafrika, Heike Pander

Baobabsetzlinge, Limpopo, Südafrika, Heike Pander

Nun zu einem Thema, das mich auch in Deutschland begeistert, denn Baobabs lassen sich leicht aus Samen ziehen – wenn man ein paar Tricks & Kniffe beachtet. Die Samen haben eine harte Schale. Damit das Keimen leichter für sie wird, ist es wichtig, die Schale etwas zu öffnen. Das gelingt auf unterschiedliche Weise, zum Beispiel mit einer Säge, Feile, oder mit dem Bohrer. Ich weiß von manchen Nutzern, dass sie die Samen kurz in kochendes Wasser werfen. Andere wiederum legen die Samen in ein Bad aus Säure. Nach dieser wie auch immer gearteten Behandlung der Schale kommen die Samen für bis zu 48 Stunden in warmes Wasser. Das lässt sie stark aufquellen. Langsam entwickelt sich noch in der Schale der Keimling.

Nach zwei Tagen Wasserbad sind die harten Samenschalen so aufgeweicht, dass sie sich vorsichtig abschälen lassen. Um den kleinen Keimlingen weitere Starthilfe zu geben, legt man sie in einen kleinen Container auf nebelfeuchtes Küchentuch und deckt das Ganze mit einem Deckel ab. Das Küchentuch sollte auf keinen Fall nass sein – es könnte die kleinen Keimlinge zum Faulen bringen. Die Dose mit den Samen stellt man an einen warmen Ort. Es hilft, wenn man den Deckel immer wieder öffnet, um einen Luftaustausch zu ermöglichen. Faulen die Samen, entwickeln sie einen üblen Geruch. Wenn alles nach Plan läuft, sind die Keimlinge nach zwei Tagen so weit, dass man sie in die Erde pflanzen kann.

Am besten ist es für die Bäume, wenn man sie ins Freiland setzt. Das geht allerdings nur in frostfreien Gebieten. Baobabs lieben magere, durchlässige, sandige Böden. Im bloßen Sand können sie sich mit ihren Wurzeln nicht halten – das ist einer der Gründe, warum man sie nicht in der Sahara findet. Lehmige Böden mögen die Bäume ebenfalls nicht – sie erlauben keinen guten Wasserablauf und befördern damit das Faulen der Wurzeln. Salzgehalt im Boden gehört ebenfalls nicht zu den von Baobabs präferierten Untergründen, obwohl sie auch mit Salz im Boden klarkommen können. Beispielsweise am Indischen Ozean an der Kenianischen Küste kann man viele Baobabs finden.

Baobab Neuzugänge 2016

Baobab Neuzugänge

Die Baobabs mögen Temperaturen unter 12 ° C nicht – besonders wenn sie klein sind. Sind sie Frost ausgesetzt, sterben sie ab. Große, alte Baobabs hingegen können kältere Tage überstehen. Trotzdem müssen Baobab-Freunde in Regionen mit Bodenfrost nicht auf kleinere Versionen der Giganten verzichten. Die Bäume eignen sich ausgezeichnet als Topfpflanzen. Auch Bonsai-Liebhabern bringen sie Freude. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Baobabs ausgeprägtes Wurzelwerk entwickeln. Kleine Baobabs bilden in den ersten drei Monaten eine Pfahlwurzel, die ihnen das Überleben in der Trockenzeit ermöglicht. Ältere Bäume bilden im Laufe der Jahre ein ausgeprägtes flaches Wurzelwerk, das mehrere Hundert Meter weit reichen kann. Überwintern kann man sie nur in geschützten, frostsicheren Räumen.

Baobab

Baobab „Sagole Big Tree“

Baobabs im Topf sind wie ihre großen Verwandten in der Wildnis genügsame Zeitgenossen und benötigen nicht viel Pflege. Während der Wachstumsperiode im Sommer brauchen sie Wasser, sobald die Erde im Topf trocken wird. Staunässe um die Wurzeln mögen sie nicht, darum ist es wichtig, dass die Erde im Topf vor dem Gießen möglichst trocken ist. Düngen kann man die Baobabs gelegentlich. Gut ist es für sie, wenn die Erde alle zwei Jahre gewechselt wird.

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