Baobab-Samen gekeimt – was nun?

Baobab-Keimlinge richtig pflegen

Baobabs sind genügsame Pflanzen, die bei richtiger Pflege lange Freude bereiten und sehr gut in Töpfen oder Pflanzkübeln wachsen. Auch das Auskeimen der Samen ist relativ einfach, wenn man einige Dinge berücksichtigt. Stimmen die Bedingungen, keimen Baobab-Samen schnell und wachsen – entgegen landläufiger Meinungen – auch rasch in die Höhe. Doch was passiert nach dem Auskeimen, wie kümmerst Du Dich richtig um die kostbaren Bäumchen? Auf dem Weg zum großen Baobab warten einige Risiken, die das Wachstum beeinträchtigen oder sogar zum Absterben führen können. In den ersten Tagen und Wochen nach erfolgreichem Auskeimen solltest du folgendes beachten, damit du lange Freude an deinem Affenbrotbaum hast:

Die kleinen Bäumchen benötigen stabile Bedingungen, damit sie schnell in die Höhe wachsen können. Dazu gehören

  1. Ein heller Standort, wenn möglich kein stechendes Sonnenlicht
  2. Wärme – am besten konstant um die 24°C
  3. Regelmäßige Wasserzufuhr
  4. Der richtige Boden
  5. Der beste Zeitpunkt für die Anzucht

 

1. Der richtige Standort

In der Wildnis kommen Baobabs hauptsächlich in heißen, trockenen Savannengebieten mit wenig Niederschlägen und kargen Böden vor. Sie sind genügsam und benötigen üblicherweise kaum Dünger. Sie lieben die Sonne, auch wenn die Blätter der kleinen Baobabs im gleißenden Sonnenlicht Sonnenbrand bekommen können. Am besten stellst du deinen Baobab an ein helles Fenster, an dem er Tageslicht und möglichst so viel Sonne wie möglich abbekommt – Südfenster eignen sich ganz besonders gut. Im Sommer kannst du die kleinen Baobabs in ihren Töpfen auch auf den Balkon, die Terrasse oder in den Garten stellen. Auch dort gilt: sie sollten einen Platz an der Sonne bekommen. Zu häufiges Umstellen mögen die Bäumchen nicht besonders und Zugluft schätzen sie auch nicht. Regnet es viel, solltest du für guten Wasserablauf aus den Töpfen sorgen. Stehende Nässe kann zum Abfaulen der Wurzeln führen. Spätestens im Herbst, wenn die Temperaturen wieder fallen, gehören die Baobabs ins Haus oder in den Wintergarten. Dazu gleich mehr unter „Wärme“.

2. Die richtige Wärme

Ganz kleine Baobabs gedeihen am besten, wenn sie in der ersten Zeit nach dem Auskeimen einer konstanten Temperatur von ca. 24°C ausgesetzt sind. Sie sind sehr anfällig für Kälte und tolerieren keinen Frost. Zugluft schätzen sie ebenfalls nicht. Deshalb sollten sie im Herbst, wenn die Temperaturen unter 15° C fallen, an einem warmen Ort überwintern. Am besten bei um die 18° C. Baobabs gehören zu den laubabwerfenden Bäumen, d.h. es ist ganz normal, wenn sie im Herbst – wie Buchen, Birken und Eichen auch – ihre Blätter fallen lassen. Beheizte Wohnzimmer sind für gewöhnlich etwas zu warm für einen regulären Baobab Zyklus im Herbst/Winter. Sie überstehen aber auch solche Phasen gut, wenn man ein paar Dinge beachtet (siehe Beitrag Baobabs überwintern). Da sie ihren Stoffwechsel ab Herbst herunterfahren und – bei entsprechenden Temperaturen – ihre Blätter abwerfen, benötigen sie auch weniger Wasser. Deshalb solltest du die Bäumchen weniger gießen. Stehen die Baobabs allerdings im gut beheizten Wohnzimmer, kann es sein, dass sie ihre Blätter bis zum Ende des Winters behalten oder gar nicht abwerfen. Dann benötigen sie auch etwas mehr Wasser, als würden sie ganz ohne Blätter dastehen.

3. Die richtige Wasserzufuhr

Kleine Baobabs benötigen – im Gegensatz zu ihren großen Kollegen in der Wildnis – regelmäßige aber moderate Wasserzufuhr. Also nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Deshalb ist es für kleine Baobabs in der Natur schwer, auf ideale Wachstumsbedingungen zu treffen. So kommt eine erfolgreiche Vermehrung in manchen Regionen nur alle 50 bis 100 Jahre vor – eben, wenn alle Bedingungen für sie stimmen. Im Topf dürfen die frisch ausgekeimten Baobabs nicht austrocknen. Um ein Übergießen zu vermeiden, gehe ich meist so vor: ich gieße die kleinen Baobabs mit so viel Wasser, dass die Oberfläche im Topf ganz bedeckt ist. Dann lasse ich das Wasser einsickern. Was sich im Untertopf sammelt, kippe ich weg. In den darauffolgenden Tagen beobachte ich die Blätter der kleinen Bäume genau. Mit etwas Übung lässt sich an ihnen gut ablesen, ob die Pflanze wieder Wasser benötigt oder nicht. Nachgießen solltest du erst, wenn die Erde trocken ist – aber nicht komplett ausgetrocknet. An besonders heißen Tagen gieße ich alle 2 – 3 Tage. Wenn es draußen kühler ist und das Wasser im Topf nicht so schnell verdunstet, warte ich länger mit dem Nachgießen. Um festzustellen, ob die Erde im Topf trocken ist, prüfst du mit dem Finger: stecke ihn in der Nähe der Pflanze so weit wie möglich in die Erde. Fühlt sie sich noch feucht an, warte mit dem Gießen. So verhinderst du, dass die Umgebung um die Wurzeln zu feucht ist. Am besten sorgst du schon beim Einpflanzen in den Blumentopf dafür, dass das Wasser gut ablaufen kann (siehe „der ideale Boden“). Sammelt es sich im Untersetzer, schüttest du es weg. Baobabs vertragen keine Staunässe, sie bekommen davon ganz leicht Wurzelfäule und gehen ein. Stehen die Baobabs bei anhaltendem Regen im Freien, kann es sein, dass ihnen zu kalt wird und sie obendrein noch Wurzelfäule bekommen. Bevor das passiert, solltest du sie an einen wärmeren, trockenen Ort stellen, bis sie wieder in den Garten, auf die Terrasse oder den Balkon können.

4. Der ideale Boden

Obwohl Baobabs an den seltsamsten Orten wachsen können, gibt es ein paar Kriterien, die du bei der Wahl der passenden Erde beachten solltest: am besten gedeihen Baobabs in etwas sandigem Boden, der einen guten Wasserabfluss ermöglicht. Trotzdem benötigen sie „Masse“ im Boden, die ihnen erlaubt, gut zu wurzeln. Deshalb findet man Baobabs nicht in der Sahara – im lockeren Sand können sie sich nicht mit ihren Wurzeln festhalten. Ganz große Exemplare würden einfach umfallen. Lehmige Böden mögen die Bäume nicht, da sie keinen guten Wasserabfluss erlauben. Salzgehalt halten sie zu einem gewissen Grad zwar aus, er gehört aber auch nicht zu den präferierten Untergründen. Die optimalen Böden für ihre Bedürfnisse finden sie dort, wo sie ohnehin sehr häufig vorkommen: Im Süden, Osten und Westen des Afrikanischen Kontinents.

In Deutschland behelfe ich mir was die Böden anbelangt am liebsten mit Kakteenerde, die ich im Fachhandel kaufe. Wenn ich keinen geeigneten Sand zur Verfügung habe, verwende ich diese Erde einfach so, wie sie aus dem Plastiksack kommt. Manchmal gebe ich eine Mischung aus normaler Gartenerde und Flusssand dazu. Der Sand sollte grob sein, damit er guten Wasserabfluss erlaubt. Vogelsand aus dem Zoohandel ist definitiv zu fein. Er sorgt eher dafür, dass die Erdmasse zusammenpappt und das Wasser schlecht abfließt. Am besten verwendest Du außerdem einen Blumentopf mit mindestens einem Loch im Boden. Darauf legst Du Kieselsteine und füllst dann erst die Erde ein. Mit Wachstumsgranulat – in Deutschland auch unter dem Namen Seramis bekannt – habe ich keine Erfahrungen. Mit Kokosfasern habe ich eher schlechte Erfahrungen gemacht. Ich pflanze meine Baobabs am liebsten in ein Erde-Sand-Gemisch. Daraus können die Bäume ohne zusätzliche Düngung meist etwa zwei Jahre ihre Nährstoffe ziehen. Nach zwei Jahren im Topf kannst du entweder mit handelsüblichem Dünger Nährstoffe beim Gießen zuführen oder die Bäume in neue Erde umtopfen.

5. Der beste Zeitpunkt für die Anzucht

An sich kannst du Baobab-Samen zu jeder Jahreszeit ansetzen. Sie benötigen etwa 10 – 12 Stunden Licht am Tag, im Winter zum Beispiel aus künstlichen Lichtquellen, und Temperaturen um die 24° C. Allerdings kann die Phase nach dem Auskeimen für Setzlinge, die im Herbst/Winter ausgekeimt haben, problematisch werden. Wenn sie bereits nach kurzer Zeit ihre Blätter abwerfen, haben sie es schwerer, die blattlose Phase bis zum nächsten Auskeimen der Blätter zu überstehen. Dann wird es auch komplizierter mit dem Gießen. Größere Baobabs haben es ohne Blätter leichter mit dem Wassermanagement, denn sie können etwas Wasser in ihrem Stamm, den Wurzeln und Ästen einlagern. Ich habe die besten Erfahrungen mit der Anzucht von Baobab-Samen im späteren Frühling gemacht, also Ende Mai/Anfang Juni. Dann haben die kleinen Pflanzen den ganzen warmen Sommer vor sich. In den ersten drei Monaten nach dem Auskeimen bilden sie ihre kleine Pfahlwurzel aus, in der sie wichtige Nährstoffe speichern. Gleichzeitig treiben sie Blätter aus und wachsen in die Höhe.

Für den späten Frühling bzw. Sommer spricht auch, dass die Tage lang sind – so bekommen die kleinen Pflanzen genug Tageslicht und Sonne ab. In den letzten Jahren war es auch warm genug – meist über 20° C tagsüber. Das mögen kleine Baobabs besonders. Setzt man die Samen zu spät im Jahr an – also erst im August, haben sie nicht genug Zeit, um ausreichend Wurzeln und Blätter auszubilden, bevor die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken. Meist lassen sie ihre Blätter schneller fallen als größere Baobabs – sie haben noch nicht so viele Reserven in ihren Wurzeln, Stamm und Ästen gebildet wie die großen. Dann besteht für sie die Gefahr, dass sie Wurzelfäule bekommen und die Wintermonate nicht überstehen. Baobabs, die früher im Jahr ausgetrieben haben, hatten länger Zeit zu wachsen und überstehen den Winter und ihre Ruhephase daher leichter.

In der nördlichen Hemisphäre verhalten sich die Baobabs mit dem Auskeimen wie unsere heimischen Bäume. Das gilt auch für das Abwerfen des Laubs im Herbst. Üblicherweise sind Affenbrotbäume auf der südlichen Halbkugel heimisch. Dort keimen die Samen mit dem Beginn der Regenzeit, wenn sie die größte Chance auf regelmäßige Wasserzufuhr haben. In Südafrika beginnt der Regen normalerweise im Sommer, also ab November, wenn wir auf der nördlichen Halbkugel bereits zügig auf den Winter zusteuern – also genau antizyklisch zum Verhalten der Baobab-Samen in Europa.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Baobab-Samen am besten gedeihen, wenn man sie im Frühsommer in einem mindestens 10 cm tiefen Topf ansetzt. Letzterer bietet ihnen Platz zum Ausbilden der kleinen Pfahlwurzel. Während der ersten drei Monate sollte man die kleinen Baobabs nach Möglichkeit auch nicht umtopfen, um die Wurzelbildung nicht zu stören. Die Bäumchen stehen gerne an hellen, sonnigen und windgeschützten Standorten. Zugluft mögen sie nicht. Sie lieben Temperaturen um die 24° C, benötigen regelmäßige Wasserzufuhr aber kein stehendes Wasser. Topf und Erde sollten einen guten Wasserablauf ermöglichen, sonst kann Wurzelfäule drohen. Bei langanhaltenden Regenfällen bietet es sich an, die Baobabs an einem trockenen Standort zu „parken“.

Die kleinen Pflanzen sind anfällig für Schädlinge, zum Beispiel Läuse oder Spinnmilben, vor allem, wenn sie im Freien stehen. Aber auch blattfressende Insekten lieben die wohlschmeckenden Blätter. Deshalb sollte man sie regelmäßig nach Schädlingen absuchen. Gerade Spinnmilben und Läuse tauchen gerne in trockenen, heißen Sommern auf. Man wird sie gut durch abduschen mit Regenwasser los. In hartnäckigen Fällen hilft auch ein Mittel aus dem Fachhandel. Ob man es glauben mag oder nicht: in den Herkunftsländern sind Blätter und junge Triebe auch bei Ziegen, Hühnern, Rindern und Antilopen beliebt. Hält man Hühner im Garten, sollte man die Baobabs also auch vor ihnen schützen. 

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