Affenbrotbäume in der KAZA TFCA

Elefanten, Okavango Delta, Botswana

Elefanten, Okavango Delta, Botswana

Ein riesiges Schutzgebiet erstreckt sich auf über 500.000 km² und fünf Landesgrenzen im südlichen Afrika: die Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA TFCA) und – wie es der „Zufall“ so will – ist diese faszinierende, abwechslungsreiche Gegend nicht nur die Heimat spektakulärer Wildtiere, sondern auch von uralten Affenbrotbäumen.

Victoria Falls, Sambia

Victoria Falls, Sambia

Schon am „Hub“ in der Region, in Victoria Falls, an dem viele Touristen ihr Abenteuer beginnen, steht ein bemerkenswerter alter und ausladend großer Baobab. Er hat hunderte von Jahren überlebt und hätte sicher spannende Geschichten auf Lager, wenn er sie erzählen könnte. 1997 habe ich diesen Baobab zum ersten Mal besucht.

Affenbrotbaum Victoria Falls, Simbabwe, KAZA TFCA, Heike Pander

Affenbrotbaum, Victoria Falls, Simbabwe, KAZA TFCA, Heike Pander

Affenbrotbäume an den Viktoriafällen

Weitere, allerdings deutlich kleinere Exemplare wachsen im Park um die Viktoriafälle. Auch auf sambischer Seite gedeihen die Riesen – besonders gut entlang des Sambesi. Setzt man seine Reise mit der Kazungula-Fähre über den Sambesi in Richtung Botswana fort, gelangt man nach Kasane.

Das Gefängnis im Affenbrotbaum

Dort befindet sich nicht nur die KAZA-Zentrale, sondern auch ein Affenbrotbaum mit besonderer Geschichte. Dazu steht er noch an einem außergewöhnlichen Ort: direkt vor dem Gebäude der Polizei. Ob es einen Zusammenhang gibt? Selbstredend: Der Baum ist sehr alt und innen hohl. Deshalb wurde er in der Zeit, noch bevor die Menschen überhaupt an das Polizeigebäude dachten, schon als Gefängniszelle genutzt. Offenbar reichte der Platz im Baum irgendwann nicht mehr aus und man baute das Polizeirevier direkt hinter dem Baum.

Gefängnis Baobab Kasane II

Gefängnis Baobab Kasane II

Die Toilette im Affenbrotbaum

Ebenfalls in dieser Region, unweit von Kasane auf namibischer Seite in Katimo Mulilo, wächst ein weiteres spektakuläres Exemplar. In ihm wurde vor langer Zeit eine Toilette mit Wasserspülung installiert, die auch tatsächlich funktionierte. Heute fungiert der Baum hauptsächlich als Touristenattraktion. Auf dem Markt von Katima Mulilo kann man während der Erntezeit die Früchte der Baobabs finden. Früher boten Händler auch Seile aus der Rinde der Bäume an. Sie zeichneten sich durch besondere Reißfestigkeit aus. Heute werden die meisten Seile aus den Kunststofffasern von Getreidesäcken hergestellt und auf dem Markt angeboten.

Baobab mit Toilette, Katima Mulilo, Namibia, Heike Pander

Baobab mit Toilette, Heike Pander

Namushasha Heritage Baobabs

Fährt man auf der Straße von Katima Mulilo in Richtung Rundu, gibt es etwa auf der Hälfte einen Abzweig nach links in Richtung Namushasha. Neben zahlreichen jüngeren Exemplaren wächst hier ein alter Baobab-Zwilling. Vermutlich handelt es sich um zwei eigenständige Affenbrotbäume, die dicht beieinander vor vielen Jahren aus zwei Samen keimten. Baobabs wachsen bevorzugt einzeln – das scheinen die beiden auch ganz deutlich auszudrücken, denn die einzige Gemeinsamkeit ist ihr Standort. Ansonsten wachsen sie in entgegengesetzte Richtungen, soweit auseinander wie nur möglich. Um die beiden Bäume steht ein kleines Heimatmuseum, das über das Leben der Menschen in der Region erzählt. Es liegt unweit des Bwabwata Nationalparks, der mit seinen Elefantenherden und den Wasserstraßen durchs Schilf beeindruckt.

Affenbrotbäume bei Tsodilo Hills

Die Affenbrotbäume bei Tsodilo Hills in Botswana stehen sehr exponiert: in der Nähe des Eingangs zur UNESCO Weltkulturerbestätte. Wie Wächter thronen sie auf dem Areal, ganz in der Nähe der Häuser. Auch auf dem Gelände der Tsodilo Hills wachsen Affenbrotbäume. An ihren Stämmen kann man in die Rinde geritzte Zeichen und Markierungen finden. Die meisten dürften von Besuchern stammen. Die San, die ursprünglich in der Gegend lebten, hinterließen ihre Nachrichten und Botschaften bevorzugt auf den Felsen. Besonders die beiden Nashorn-Felsmalereien haben die Gegend berühmt gemacht.

Affenbrotbäume in der Makgadikgadi

Spektakuläre Affenbrotbäume wachsen seit Hunderten von Jahren auch in der Makgadikgadi – zum Beispiel auf Lekhubu Island. Dort fristen sie ihr Dasein auf kargem Grund inmitten der heißen Salzpfannen. Nicht weniger beeindruckend sind die Baines Baobabs oder ein Exemplar, das nach dem Entdecker „Green“ benannt ist. All diese Bäume wachsen in Botswana.

 

Faszinierend finde ich die abwechslungsreiche Landschaft der KAZA TFCA mit ihrer Vielfalt an Fauna und Flora. Neben den Viktoriafällen und Tsodilo Hills gehören auch das Okavangodelta und zahlreiche Nationalparks, zum Beispiel Chobe, Bwabwata, Hwange und weitere zum Schutzgebiet. Die Länder Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe kooperieren über ihre Landesgrenzen hinweg, damit der Naturschutz in einem derart großen Gebiet gelingen kann. Zum Konzept gehört, dass Schutzgebiete über Korridore wieder miteinander verbunden werden. Das ermöglicht Tieren, zum Beispiel Elefanten, auf ihren traditionellen Wanderrouten in frische Weidegebiete zu gelangen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn die Nahrung knapp wird. Die Wanderrouten sind ein wichtiger Aspekt des Schutzkonzepts.

Popa Falls, Kavango, Namibia

Popa Falls, Kavango, Namibia

Doch auch die in der KAZA TFCA lebenden Menschen sollen vom Naturschutz profitieren. Zum einen durch Tourismus, der verstärkt in der TFCA gefördert werden soll, zum anderen durch landwirtschaftliche Programme, die umweltverträgliche Landwirtschaft proklamieren. Sie soll zur Verbesserung der Ernährungssituation bei der Bevölkerung beitragen, Hotels und Lodges mit Biolebensmitteln versorgen und helfen, Mensch-Wildtier-Konflikte zu minimieren. Das trägt langfristig hoffentlich nicht nur zum Schutz bedrohter Tierarten bei, sondern auch dem Erhalt majestätischer alter Baobabs.

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