Elefantensichere Baobabs

Jasper Visser am Crooks Corner, Makuleke, Südafrika

Jasper Visser am Crooks Corner, Makuleke, Südafrika

„An Baobabs fasziniert mich, dass sie einen natürlichen Elefantenschutz haben. Jeder andere Baum kann Schäden an der Rinde nur von den Seiten der Verletzung zu deren Innerem reparieren. Der Baobab heilt die ganze Wunde an allen Stellen gleichzeitig. Deshalb ist er als Baum sehr erfolgreich“, sagt Jasper Visser.

Wanderung in Makuleke, Südafrika

Wanderung in Makuleke, Südafrika

Während eines Eco Quest Kurses im EcoTraining Camp in der Makuleke Concession in Südafrika traf ich den begeisterten jungen Ranger. Weder seine Berufswahl noch seine Leidenschaft für den afrikanischen Busch überraschten mich, denn sein Vater sei Professor für Ökologie und nachhaltigen Tourismus und habe ihn schon früh an die Themen herangeführt, erklärt er.

Fieberbaumwald, Makuleke Concession, Südafrika

Fieberbaumwald, Makuleke Concession, Südafrika

Am liebsten bewegt er sich in der Wildnis zu Fuß. Seine Liebe zur Natur war schon auf unserer ersten Wanderung mit ihm zu spüren. Sie führte uns in einen Wald mit Fieberbäumen. Plötzlich wurde das Klima angenehm im Schatten der Bäume. Die Luft fühlte sich kühler an als in der Sonne. Jasper interessiert sich für die kleinen Dinge in der Natur und zu Fuß sind sie am besten zu sehen.

Wilde Gurke, Wanderung, Makuleke, Südafrika

Baobabs im Sonnenuntergang

Besonders gerne erinnere ich mich an eine unserer Wanderungen, die uns an einem Hügel mit wunderschönen Baobabs vorbeiführte. Die Sonne ging bereits hinter den Giganten unter. Wir wanderten durch mannshohes Gras, direkt auf einen natürlichen Damm zu. Dort wollten wir Flusspferde beobachten. Flusspferde sahen wir an diesem Tag keine, Fellträger zeigten sich auch nicht. Stattdessen erzählte uns Jasper über die unzähligen Vögel, die zur Wasserstelle kamen. Auf dem Rückweg trafen wir direkt auf Büffelherde. Jasper führte uns in einem weiten Bogen um die Herde. So gab er den Tieren und uns mehr Raum. Auf gleicher Höhe mit der Herde hielten wir an.

Baobabs und Büffel, Abendstimmung, Makuleke, Südafrika

Baobabs und Büffel, Abendstimmung, Makuleke, Südafrika

Da wir schweigend unterwegs waren, bedeutete er uns, wir sollten uns auf die Erde setzen. Insgeheim fragte ich mich, ob das wirklich eine gute Idee wäre. Er schien sich seiner Sache sicher zu sein – allerdings darf man nicht vergessen, dass er die Waffe trug. Die Herde hatte uns längst bemerkt. Direkt vor uns hatte sich jedes Tier der Herde aufgebaut – ein einschüchternder Anblick. Besonders die Hörner der Bullen sahen beängstigend aus. Die Büffel starrten uns an – wir starrten zurück. Obwohl wir einem der gefährlichsten Tiere in geringer Entfernung gegenübersaßen, blieb alles ruhig und ich fühlte mich sicher. Schnell wurde es dunkel – wir mussten zurück zum Camp. Die Büffel ließen uns nicht aus den Augen. Erst als sie uns nicht mehr sehen konnten, trotteten sie langsam weiter zum Damm, um ihren Durst zu stillen.

Baobab, Makuleke, Südafrika

Baobab, Makuleke, Südafrika

Botanik-Fan aus gutem Grund

Jasper hat ein besonderes Interesse für Botanik: „Ich mag es sehr, weil ich auf meinen Wanderungen immer darüber sprechen kann – besonders, wenn keine Fährten oder großen Tiere zu sehen sind“, erläutert er.

Seinen ersten Baobab sah er bei einem Besuch mit seinem Vater im Krüger Nationalpark. „Ich habe mich gefragt, was das für riesige Bäume inmitten all dieser kleineren Bäume sind – das war vor ungefähr 15 Jahren“, erinnert er sich. Die Familie nannte Baobabs „upside down trees“, „weil sie aussehen, als würden ihre Wurzeln nach oben wachsen – das macht sie zu seltsam aussehenden Gestalten“, sagt er.

Abgestorbene Baobabs – ein trauriger Anblick

Auf unseren Wanderungen sehen wir wunderschöne Baobab-Exemplare in verschiedenen Formen, Größen und Altersgruppen. Auch auf abgestorbene Riesen treffen wir. Ein trauriger Anblick, denn vom einst mächtigen Baum lagen Fasern und Bruchstücke weit in der Umgebung verstreut. Elefanten hatten Stücke herausgerissen und verspeist. Sie lieben das weiche Holz der Baobabs. Warum der Baum abgestorben war, konnten wir nicht ergründen. Vermutlich war er während einer Überschwemmung entwurzelt und den Hang hinab gespült worden.

Während die anderen es sich auf den Baobab Überresten bequem machten, fotografierte ich, was vom Baum übrig war. An einem weiteren Baobab-Standort sahen wir nur noch die rundliche Vertiefung im Boden und etwas faseriges Material – alle anderen Spuren des stattlichen Baums waren bereits verschwunden.

Die Baobab-Frucht ist aussergewöhnlich

Der Botanik-Freund lernte viel über den Baobab während seines Trainings zum Naturführer, denn er möchte seinen „Gästen auf den gemeinsamen Wanderungen viel über die Bäume erzählen können.“ Besonders fasziniert ihn die Frucht der Baobabs: „Vor einiger Zeit habe ich entdeckt, dass die Baobab-Frucht besonders ist – sie ist außen samtig und unterscheidet sich sehr von allen anderen Früchten, die ich kenne. Wenn man sie anfasst, fühlt sie sich zunächst weich an aber unter dieser Schicht hat sie immer noch eine harte Schale.“

Uralter Baobab, Makuleke, Südafrika

Uralter Baobab, Makuleke, Südafrika

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Visser als Naturführer. Schon früh fand er heraus, dass die Anwesenheit von Baobabs meist auch bedeutet, dass man Elefantenspuren findet. Die Dickhäuter halten sich gerne in der Nähe der Baobabs auf. Sie lieben Baobab-Früchte. Der Boden unter den Bäumen ist um diese Jahreszeit wie leer gefegt. Nicht ein Stück Schale finden wir – alles ist restlos aufgefressen.

Jasper vermutet, dass Elefanten besonders den Schatten der Baobabs genießen, denn sie finden nicht viele Bäume, die groß genug sind, um ausreichend Schatten zu spenden. „Ich finde es erstaunlich, dass Elefanten fast jeden Baum entwurzeln und umwerfen können, aber mit dem Baobab versuchen sie es nicht einmal“, sagt er und fährt fort: „Sie begnügen sich damit, Stücke aus der Rinde zu brechen.“

Jasper Visser, Makuleke, Südafrika

Jasper Visser, Makuleke, Südafrika

Bienen lieben Baobabs

Quentin Swanevelder, Jaspers Kollege, schließt sich unserer Baobab-Unterhaltung an und verrät uns sein Baobab-Erlebnis: Er bestieg einen der großen Baobabs in Makuleke und stieß auf ein großes Loch, das er neugierig erkundete. Dabei wurde er von Bienen gestochen, die im Baobab einen natürlichen Bienenstock gebaut hatten. Sie bevorzugen Baobabs ihrer Hohlräume und des guten Platzangebots wegen. Für Quentin war es vermutlich keine angenehme Baobab-Erfahrung. Einen jungen Kollege erwischte es noch schlimmer bei dem Versuch, einen Baobab zu erklettern: er fiel vom Baum und brach sich ein Bein. Baobab Rinde kann sehr glatt und dadurch ziemlich rutschig sein – wenn man mit Schuhen klettert. Barfuß klettern bietet besseren Halt und ist möglicherweise auch für die Bäume angenehmer. In einigen Ländern ist es nicht erlaubt, auf die Bäume zu klettern, da dies die Rinde schädigen kann.

Baobab Ökosystem: Orchidee im Baobab, Makuleke, Südafrika

Baobab Ökosystem: Orchidee im Baobab, Makuleke, Südafrika

Wir kommen auf das Ökosystem „Baobab“ zu sprechen: Affenbrotbäume beherbergen verschiedenste Tiere und Pflanzen. Jasper zählt einige auf: „Eisvögel und Spechte leben in den natürlichen Höhlen. Büffelweber wohnen auf den massiven dicken Ästen und bauen dort ihre Nester. Mindestens zehn verschiedene Vogelarten nutzen den Baobab, was ziemlich erstaunlich ist“. Neben den Vögeln gibt es auch pelzige Kreaturen im Baobab: zum Beispiel Buschbabies, Affen und Leoparden. Letztere ruhen sich gerne auf den großen Ästen aus. Sie bieten wunderbare Plattformen für ein Nickerchen und gewähren phantastische Ausblicke in die Gegend. Wir sind uns einig: es wäre grandios, einen schlafenden Leoparden im Baobab zu entdecken.

Baobab, Makuleke, Südafrika

Baobab, Makuleke, Südafrika

3 Replies to “Elefantensichere Baobabs”

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