Baobabs auf der Spur…

Baobab_Makuleke

Baobab, Makuleke, Südafrika

… ist gar nicht so schwierig wie es klingt. Mit EcoTraining war ich eine Woche in der Makuleke Concession im Norden des Krüger Nationalparks in Südafrika unterwegs – auf Spurensuche nach Fellträgern und Geflügeltier. Inoffiziell standen ganz oben auf meiner „Bucket-List“ jedoch die phantastischen Baobabs. In dieser Gegend kann man sie nur sehen, wenn man entweder an einem Kurs teilnimmt oder Gast der beiden einzigen Lodges in der Konzession ist. (Mehr Fotos)

Die größte Mittagshitze ist überstanden. Unsere kleine Gruppe rüstet sich: Die Wasserflaschen sind nachgefüllt, ein paar Kekse habe ich mir eingesteckt – „just in case…“ Im Gänsemarsch und ohne zu sprechen brechen wir auf. Zunächst steuern wir auf den Wald der Fieberbäume zu. Weit gegangen sind wir zwar noch nicht, aber eine kurze Rast nehmen wir gerne an. Unterm grünen Blätterdach ist es deutlich kühler als „draußen“ in der glühenden Sonne. Auch optisch sind die Bäume eine Betrachtung wert – ihre hellgrün-gelblich leuchtenden Stämme ziehen schon von weitem die Aufmerksamkeit auf sich.

Fieberbaumwald

Fieberbaumwald, Makuleke, Südafrika

Einer der Ranger, die uns begleiten, erzählt, woher die Bäume ihren Namen haben. Frühe Siedler glaubten, wer im Schatten der Fieberbäume schliefe, bekäme Malaria. Für sie waren die Anopheles-Mücken als Überträger noch nicht bekannt. Sie folgerten aus der Zunahme an Erkrankungen der Menschen im Fieberwald, dass die Nähe zu den Bäumen oder deren Berührung damit zu tun haben müsse. Ihr einziger Beitrag zur Malaria ist, dass es um sie immer etwas sumpfig ist und Sumpfgebiete die bevorzugten Brutstätten der Stechmücken sind. Guter Malaria-Schutz tut deshalb Not.

Baobab_HippoPool

Wanderung zum Hippo Pool, Makuleke, Südafrika

Aus dem angenehm kühlen Schatten treten wir wieder hinaus in die heiße, trockene Luft der Savanne. Im Zickzack geht es weiter durchs mannshohe Gras. Die Sonne sinkt beständig tiefer am Horizont und taucht die Umgebung in schönstes Fotografenlicht. Immer wieder umrunden wir undurchsichtiges Gestrüpp. Vor uns am Ende des Tals erhebt sich eine Hügelkette, auf der zahlreiche Affenbrotbäume auszumachen sind. Zurzeit tragen die Giganten keine Blätter und recken ihre knorrigen, skurril aussehenden Äste weit in den Himmel.

Baobab_Makuleke

Baobabs, Makulkeke, Südafrika

Lange verweilen und den Anblick genießen können wir nicht. Unser heutiges Tagesziel liegt hinter dem Baobab Hügel. An einem natürlichen Damm, der auch jetzt, in der Trockenzeit, noch genügend Wasser führt, möchten wir Nilpferde sehen. Der Weg dorthin ist gar nicht so leicht passierbar. Krater-ähnliche Löcher zerfurchen den Untergrund, ihre Ränder scheinen hart wie Beton. Die aus der letzten Regenzeit stammenden und wie fest zementiert wirkenden Elefantenabdrücke erschweren das Vorwärtskommen.

Baobab Hill Makuleke

Baobab Hill, Makuleke, Südafrika

Mein linker Fuß rutscht ab und landet in einem der Krater. Super. Ich stecke fest. Die Kollegen kommen mir zu Hilfe, ziehen und zerren an meinen Armen. Endlich – mit einem unangenehm schmatzenden Geräusch – gibt der Matsch meinen vollgesogenen, matschigen Schuh wieder frei. Glück gehabt, dass er noch am Fuß ist. Ich versuche, das Positive an der Situation zu sehen und freue mich über die unerwartete Abkühlung meiner vom Wandern heiß gelaufenen Füße.

Baobabs_Makuleke

Baobabs, Makulkeke, Südafrika

Am Wasserloch ist viel los um diese Zeit – vor allem den Vogelreichtum der Makuleke Concession können wir bewundern. Sogar ein kleiner Malachit Kingfisher gibt sich die Ehre auf einem der dünnen Äste, die weit vom Ufer in den Damm hineinragen. Misstrauisch beäugt er uns und bringt sich lieber ein Stück von uns entfernt erneut in Jagdposition. Pfeilschnell schießt er von seinem Aussichtsposten in die braune Brühe und kehrt mit einem kleinen, zappelnden Fisch im Schnabel an seinen Ansitz zurück. Sein Abendessen scheint gesichert.

Baobabs

Baobab, Makuleke Concession, Südafrika

Gerade hier wachsen relativ viele jüngere Affenbrotbäume. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass Elefanten, durch deren Magen die Samen wandern, um keimfähig zu werden, oft zum Trinken an diese Wasserstelle kommen und hier ihren Kot absetzen. In diesem glühend roten Licht wirken die Baobabs besonders magisch. Es ist, als ob ihre Rinde die Intensität der Farben extra deutlich hervorbringt. Es stimmt tatsächlich – die Baobab-Haut hat einen leichten Schimmer und reflektiert je nach Tageszeit die Farben des Himmels anders.

Baobabs

Baobabs, Makulkeke, Südafrika

Auf einem Wirtschaftsweg geht es in Richtung Camp zurück. Links vom Weg stehen zwei sehr schöne Baobabs, von einem dritten ist nur noch ein Haufen Fasern und eine rundlich-ovale Einprägung auf dem Boden zu sehen. Sie lässt den Umfang des einstigen Riesen, der hier gelebt hat, erahnen. Der Baobab ist vor einiger Zeit abgestorben – über Zeitpunkt und Gründe für sein Ableben konnte mir niemand Auskunft geben. Der Zerfall geht jedoch sehr schnell vonstatten: zunächst holen sich Elefanten Äste und Stücke aus dem Stamm. Sie kauen darauf und entziehen dem Material Nährstoffe und Wasser. Überreste wie Fasern und Rinde, die auf die Erde fallen, halten sich nicht lange. Termiten und andere Insekten zersetzen schnell, was vom Baum noch da ist. Nach etwa ein bis zwei Jahren ist vom einstigen Riesen nichts mehr zu sehen – er wird komplett recycelt.

Baobabs

Abgestorbener Baobab, Makuleke, Südafrika

Unweit vom Camp erreichen wir einen weiteren sehenswerten Giganten. Der alte Baobab lebt auf einem Hügel. Das Licht ist atemberaubend – ich könnte stundenlang vor diesem Baum stehen, in dieser Landschaft und das Spiel der Farben auf mich wirken lassen.

Baobab

Baobab, Makuleke, Südafrika

Man kann sie gar nicht alle an einem Tag „abwandern“. Meine Baobab-Erfolgsstory setzt sich auch am nächsten Tag fort und ich genieße den Anblick beeindruckender Exemplare. Einer der Bäume an einer Ansammlung sieht von der Seite etwas windschief aus und wirkt gar nicht so massiv. Steht man jedoch vor dem Baum, ist sein Ausmaß fast nicht zu fassen. Ich frage mich nicht zum ersten Mal, wie diese Bäume es schaffen, trotz einer gewissen Schieflage in ihrer Struktur, die Balance zu halten und nicht einfach umzukippen. Mit Blick auf die Statik scheint mir das bei vielen der Riesen eine großartige Leistung.

Baobab

Baobab, Makuleke, Südafrika

Sie speichern enorme Wassermassen in ihrem Stamm und den Ästen – vielleicht ist es der Wasserdruck in der Struktur, der sie zusammenhält? Warum brechen die dicksten Äste nicht einfach ab? Der Baum vor mir beherbergt an einer seiner Seiten einen natürlichen Bienenstock – das Summen wirkt etwas gespenstisch, solange man die Bienen nicht sehen kann. Außerdem ist er innen hohl – was den Summton noch verstärkt. Holzpflöcke auf der Innenseite führen nach unten – so konnten die Bewohner leichter aus und einsteigen. Das Loch scheint als Öffnung etwas klein und wurde möglicherweise schon lange nicht mehr als Unterschlupf oder Wohnraum genutzt. Baobabs lassen Rinde nachwachsen und ich vermute, der Eingang ist einfach wieder zugewachsen. Besonders nützlich ist das für die Bäume, wenn sie Verletzungen durch Elefanten-Attacken überwachsen lassen.

Baobab, Makuleke, Südafrika

Baobab mit wilden Bienen, Makuleke, Südafrika

Auch in der Nähe vom Limpopo gibt es Ansammlungen von mächtigen Baobabs. In ihrer Umgebung finden sich menschliche Artefakte aus längst vergangenen Zeiten. Die frühen Bewohner der Gegend suchten oft die Nähe zu Affenbrotbäumen. Sie nutzten sie auf vielfältige Weise. Gerade am Limpopo steht ein großes Exemplar, das einst, so heißt es, vom Chief der Makuleke und seiner Frau bewohnt wurde. Der Hohlraum im Baum bot offenbar genug Platz. Der Baum wächst auf einer kleinen Anhöhe und bietet einen guten Blick in die Umgebung. Das Privileg, im Baobab zu wohnen, war dem Chief vorbehalten. Seine Untergebenen lebten in Hütten in einiger Entfernung zum Baum. Im Nachhinein ist oft nur noch schwer zu bestimmen, wer zuerst da war: die Menschengruppe oder die Baobabs. Weil die Bäume für die Menschen kulturell und ökonomisch wichtig waren, nahmen sie ihre Samen mit und pflanzten sie an neuen Siedlungsorten wieder an.

Baobab

Baobab, Makuleke, Südafrika

Jeden Tag habe ich in dieser faszinierenden Gegend Affenbrotbäume gesehen – manche ganz aus der Nähe, andere nur am Horizont. Es war eine phantastische Zeit, gespickt mit Geschichten von und mit Baobabs. Zu gerne hätte ich noch etwas länger zum Thema geforscht und die Baobab Standorte noch intensiver untersucht.

Baobab Hill

Baobab Hill, Makuleke, Südafrika

Mehr Fotos von Makuleke sehen: HIER

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