Zu Besuch bei einer Baobab Hüterin

Martha Kwerana pflanzt ihren Baobab

Martha Kwerana pflanzt ihren Baobab

Heute ist ein besonderer Tag, denn wir besuchen Martha Kwerana in ihrem Haus im Dorf Zwigodini in der Provinz Limpopo in Südafrika. Vor drei Jahren waren wir schon einmal hier, doch heute sieht alles ganz anders aus, denn sie hat ein großes Haus gebaut – doch dazu später.

Martha Kweranas neues Haus

Martha Kweranas neues Haus, Zwigodini Village, Limpopo Province, South Africa, © Heike Pander

Martha gehört zu den Baobab Hüterinnen im Dorf. Das letzte Mal, als wir hierher kamen, pflanzten wir gemeinsam einen kleinen Baobab. Den hatte Martha im Jahr zuvor aus dem Samen eines Affenbrotbaums gezogen.

Kleine Baobabs warten auf das Auspflanzen

Kleine Baobabs warten auf das Auspflanzen

Sie wählte als Standort für das Bäumchen eine Ecke in ihrem Hof in der Nähe der Straße. Gemeinsam gruben wir ein tiefes Loch, pflanzten den Setzling ein und notierten seine exakte Höhe. Dr. Sarah Venter, Gründerin der Baobab Foundation (Baobab Stiftung) in Südafrika, initiierte das Baobab Guardians Programm. Teil des Programms ist das Pflanzen und die Pflege der kleinen Bäume. Sie nimmt die GPS-Koordinaten auf und macht ein Foto vom Baobab und seiner Hüterin.

Die Standortwahl des Baobab ist wichtig

Marthas Aufgabe für die nächsten drei Jahre ist es, das Bäumchen zu schützen und es regelmäßig zu gießen. „Ich habe meinen kleinen Affenbrotbaum in einer Ecke meiner Anlage in der Nähe des Zauns und so weit wie möglich vom Haus entfernt gepflanzt. Baobabs werden sehr groß. Ich wollte sicherstellen, dass die Wände nicht beschädigt werden. Mein Baum ist ungefähr vier Jahre alt und schon beträchtlich gewachsen, aber er ist noch nicht groß genug. Leider hat neulich hungriges Vieh die belaubte Krone gefressen. Darüber habe ich mich sehr geärgert. Aber der Baum wird sich erholen und neue Blätter bekommen. Ich mag meinen kleinen Baobab“, sagt die stolze Baobab Hüterin.

Schweine dösen in der Mittagshitze, Zwigodini

Schweine dösen in der Mittagshitze, Zwigodini

Während wir in Zwigodini sind, sehen wir, wie Rinder, Ziegen, Hühner und Schweine frei herumlaufen – immer auf der Suche nach etwas Essbarem. Ein heiß begehrter Leckerbissen sind die Triebe und Blätter kleiner Baobabs. Das ist einer der Gründe, warum wir hier nicht viele davon sehen. Für ihre Bemühungen mit dem kleinen Baobab wird die Baobab Hüterin entschädigt. Sie bekommt Geld für die Anpflanzung und für jeden Zentimeter, den der Baum innerhalb eines Jahres wächst. Jedes Jahr zu Beginn der Regenzeit kommt Sarah und misst den kleinen Baum.

Martha Kwerana im Schatten vor ihrem Haus

Martha Kwerana im Schatten vor ihrem Haus, Zwigodini Village, Limpopo Province, South Africa, © Heike Pander

Heute sitzen wir unter einem von Marthas wunderschönen Obstbäumen im Schatten. Sie erinnert sich, wie sie nach Zwigodini gekommen ist. Ursprünglich stammt sie aus Musina, einer Stadt im Norden nahe der Grenze zu Simbabwe. Die Gegend ist heiß, hat schlechte Böden aber dafür viele Baobabs. Sie hat einen Mann aus Zwigodini geheiratet und kam mit ihm in das Dorf. „Jetzt bin ich alt und pensioniert“, sagt Martha und fährt fort: „Alle meine fünf Kinder sind erwachsen und an andere Orte gezogen. Mittlerweile habe ich zehn Enkelkinder.

Kinder in Zwigodini

Kinder in Zwigodini

Eine meiner Töchter ist vor kurzem gestorben, ihr Mann arbeitet in Johannesburg. Eines ihrer Kinder lebt bei mir.“ Martha ist Witwe, ihr Mann starb vor langer Zeit. Jeden Monat erhält sie eine Rente von 1.700 Rand (ca. 125 USD). „Das reicht kaum aus, um zu Leben. Aber ich schätze mich glücklich, weil eine meiner Töchter ein Programm besucht hat, in dem sie studieren konnte. Sie arbeitet jetzt als Sozialarbeiterin für die Regierung in unserer Gegend und hat ein regelmäßiges Einkommen. Damit konnte sie ein Haus für mich bauen, auf das ich sehr stolz bin von“, erklärt Martha.

Martha Kwerana beim Früchtesammeln, Zwigodini Village, Limpopo Province, South Africa, © Heike Pander

Martha Kwerana beim Früchtesammeln, Zwigodini Village, Limpopo Province, South Africa, © Heike Pander

Baobab bringt Geld ins Dorf

Das Leben auf dem Land in Südafrika ist schwierig, wenn man nicht viel Geld hat. Der Kauf von Lebensmitteln ist teuer und kann recht aufwendig sein. Martha muss einmal im Monat nach Thohoyandou reisen, um ihre Vorräte aufzufüllen. Dafür muss sie etwa 200 km fahren. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, muss sie für die Fahrt ein Taxi nehmen. Das lohnt sich für sie immer noch, denn in der Stadt kann sie das, was sie zum Leben braucht, günstiger einkaufen als im Dorf. „Während des Monats kaufe ich Brot, Tomaten und frische Eier aus dem kleinen Laden in der Nähe. Die Einnahmen vom Verkauf der Baobab Früchte helfen mir dabei“, sagt Martha und fährt fort „wenn ich sie verkaufe, bekomme ich Bargeld, das ich für lokale Produkte ausgeben kann. So können auch andere Frauen davon profitieren: Das Geld fließt aus meiner Tasche zur Nachbarin und sie kann Dinge kaufen, die sie braucht usw. Viele Menschen profitieren vom Baobab in unserer lokalen Wirtschaft. Das ist gut. Wenn wir Bargeld brauchen, müssen wir normalerweise 60 km fahren, um die nächste Bank oder den nächsten Geldautomaten zu erreichen.“

Martha Kwerana neben einem alten Baobab

Martha Kwerana neben einem alten Baobab, Zwigodini Village, Limpopo Province, South Africa, © Heike Pander

Die wirtschaftliche Situation hat sich verbessert

Martha ist glücklich mit ihrem Leben und drückt das so aus: „Zurückblickend muss ich sagen, dass sich mein Leben wirtschaftlich sehr verbessert hat. Als ich anfing, Baobab-Früchte zu sammeln und zu verkaufen, brauchte ich dieses Einkommen. Ich erhielt kein Kindergeld. Damals gab es nicht viele Gelegenheiten, Geld zu verdienen. Ohne den Verkauf von Baobab Früchten weiß ich nicht, wie ich meinen Lebensunterhalt hätte verdienen können. Obwohl ich jetzt eine Rente bekomme, ist das Geld, das ich durch die Ernte von Baobab verdiene, für mich immer noch sehr wertvoll. Ich unterstütze die Kinder mit ihren Schuluniformen und gebe ihnen zusätzliches Geld, damit sie in der Schule Essen kaufen können.“

Baobab hat weitere Vorteile

Abgesehen von dem Geld, das ihr der Baobab bringt, schätzt sie den Baum für weitere Vorteile. „Ich verwende sehr gerne sein Fruchtpulver“, sagt sie, „ich mache daraus einen Brei. Manchmal mische ich das Pulver mit Maismehl und koche Pap“. Das ist das traditionelle Grundnahrungsmittel bei den Venda und generell im südlichen Afrika. Es ist der Polenta ähnlich. Das Baobab-Fruchtpulver verleiht ihm einen angenehmen Geschmack. Manchmal rührt sie das Pulver in ihr Trinkwasser und genießt das fruchtige Getränk an heißen Sommertagen. Die jungen und zarten Blätter des Baobab ergeben gekocht einen leckeren Spinat.

Martha Kwerana neben ihrem Baobab

Martha Kwerana mit ihrem Baobab, Zwigodini Village, Limpopo Province, South Africa, © Heike Pander

Unser Gespräch neigt sich dem Ende. Bevor wir uns von ihr verabschieden, gehen wir zu ihrem Baobab, den sie erfolgreich hegt und pflegt. Er ist beträchtlich gewachsen. Wir freuen uns, dass sie so erfolgreich damit ist aber schließlich hat sie sich auch gut um ihren Schützling gekümmert. Stolz schaut sie für uns in die Kamera.

Gemeinsam einen Baobab pflanzen

Gemeinsam einen Baobab pflanzen

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