Baobab Kunst: Abenteuer Mana Pools

Wayne Stutchbury, Künstler

Wayne Stutchbury, Künstler

Wayne Stutchbury ist Künstler in Simbabwe. Über Baobabs sagt er: „Ich bin Bildhauer und liebe ihre Formen. Sie sind erstaunlich. Ihre Rinde reflektiert das Licht, wenn man genau hinschaut. Morgens sind die Farben intensiver als am späten Nachmittag. Baobabs sind keine normalen Bäume – sie reflektieren das Blau und Violett des Himmels. Für einen Künstler ist das großartig.“

Während ich in Simbabwe zu Recherchen für mein Baobab Projekt unterwegs war, habe ich mich zusammen mit meiner Freundin Rozanne Tunmer mit Wayne Stutchbury getroffen. Der Künstler hat uns über seine Liebe zur Natur, Baobabs, seiner Baobab Kunst und den „Busch“ in Simbabwe erzählt. Dort ist er zusammen mit seinem Bruder Ralph aufgewachsen.

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs verrät uns Wayne eine seiner top „Locations“ zum Malen „en plein air“ (im Freien) in Simbabwe. Dazu hat er einen guten Rat für mich parat: „Chitaki ist definitiv ein Wallfahrtsort für dich!“ Dieser bezaubernde Ort liegt auf einer Geländeklippe über Mana Pools – dem Nationalpark und weltberühmter Wildnis im Norden von Simbabwe, die auch gleichzeitig Welterbestätte der UNESCO ist.

Baobabs, Chitaki, Wayne Stutchbury, Künslter

Baobabs, Chitaki, Wayne Stutchbury, Künslter

Zum magischen Ort hingezogen

Für Wayne hat Chitaki mit seinen uralten Baobabs eine mystische Aura. Der Ort zog Menschen schon vor hunderten von Jahren an – wahrscheinlich reicht die Besiedlung zurück bis in das 15. Jahrhundert, als Händler den durch die Gegend führenden „Gold Trail“ für ihre Geschäfte nutzten.

Oben auf dem Berg liegt Chitaki in einiger Entfernung zum Sambesi Fluss. Von hier hat man eine exzellente Übersicht über die Gegend. Ständig bläst der Wind. „Wenn man um die Baobabs herumsucht, kann man Überbleibsel von Töpfen und Flintstücke finden“ sagt der Künstler und fährt fort „wenn es einen Ort gibt, an dem sich Menschen niederlassen, dann ist es hier – das spürt man sofort.“

Die afrikanischen Dörfer sind längst verschwunden, die Lehmstrukturen haben sich aufgelöst, Termiten haben das verbaute Holz gefressen. Aber die Baobabs sind immer noch hier. „Man sieht meilenweit und fühlt sich sofort zu diesem Ort hingezogen – diese riesigen Bäume und wie sie in Beziehung zueinander stehen“.

Baobab Kunst ist speziell

Begeistert erzählt der Künstler von einem Baobab-Paar, das in einer ungewöhnlichen Form zusammengewachsen ist. In der Mitte trennt die Bäume ein großer Spalt, den er als „Tür“ bezeichnet. Mit seinem Künstlerauge beschreibt er, wie die Bäume sich in ihrem Wachstumsmuster angepasst haben und dabei einen wunderschönen Bogen formten, der sie zu einer lebenden Skulptur zusammenführt.

Wayne meint, man könne sie nur als Einheit sehen und malen. „Wenn man sie einige Male gemalt hat, wird man sich ihrer so bewusst – ich habe sie eine Woche angeschaut. Ich habe sie angeschrien – lacht – und war sauer.“

Baobabs, Wayne Stutchbury, Künstler

Baobabs, Wayne Stutchbury, Künstler

Malen mit hohem Risiko

Vor einigen Jahren verbrachte Wayne zwei Wochen ganz alleine in Chitaki. Er zeltete dort, um Baobabs zu studieren und sie zu malen. Abgesehen von atemberaubender Wildnis und Wildtieren in Hülle und Fülle gibt es dort keinerlei Infrastruktur. Menschen leben dort nicht und es ist niemand da, der im Ernstfall zu Hilfe eilt. Wayne musste alle Vorräte aus Harare selbst mitbringen.

„Ich habe unter einfachsten Bedingungen gelebt – Hygiene war auf einem Minimum – es ging mir nur ums Malen. Sonst gibt es dort nichts zu tun. Man ist komplett alleine“. Nichtsdestotrotz ist es nicht ratsam, ganz alleine herumzuwandern, denn zahlreiche Raubtiere machen die Umgebung unsicher – vor allem am Fuß des Hügels, näher am Fluss. Was Wayne eines Tages selbst erfahren hat.

Herumalbernde, saubere und einfache Beute

Nach etwa eineinhalb Wochen ging ihm der Wasservorrat aus. Er nahm seine Kanister und wanderte von seinem Berg hinunter zur Quelle. Der Ort zieht viele Wildtiere an, denn Wasser gibt es das ganze Jahr. „Leichte Beute“ für die Löwen. Sie müssen sich lediglich in den Schatten legen und warten.

Wayne stürzte sich ins Wasser „ich tobte fröhlich herum, machte mich vollkommen lächerlich und genoss das erfrischende Wasser“. Nachdem er fertig gebadet hatte, sammelte er seine Habseligkeiten zusammen und schaute zum Ufer.

„In einer Reihe lagen sie da – wie sie es immer machen. So still.“ Weil es Mittag war, schienen die Großkatzen sehr träge und nicht am Jagen interessiert. „Neun Löwen schauten meiner Darbietung der Leichtsinnigkeit zu. Entsetzt habe ich mich rückwärts wegbewegt.“

Baobab, Wayne Stutchbury, Künstler

Baobab, Wayne Stutchbury, Künstler

Stark für den Wind sein

Seine Leidenschaft für Baobabs führt Wayne auf deren bildhauerische Erscheinung zurück. Lieb gewonnen hat er die Riesen, als er mit der Freiluftmalerei, die auch als „en plein air“ bekannt ist, begann. Die Bäume sind an einem Ort verwurzelt – man kann immer wiederkommen.

Noch einen weiteren Punkt verbindet Wayne mit den Baobabs – „sie haben etwas spirituelles an sich.“ Die Bäume können 1000 Jahre und älter werden. Sie haben „viel gesehen“ und ihre Überlebensgeschichte ist beeindruckend, beispielsweise haben alte Exemplare viele Dürren überstanden und viele Generationen anderer Bäume kommen und gehen sehen.

Eine windige Angelegenheit

Obwohl Wayne Bildhauer ist, hat er noch keine bildhauerische Interpretation eines Baobabs umgesetzt – er hat die Bäume lieber gemalt. Einen anderen Bildhauer hat er in Chitaki jedoch bei der Arbeit beobachtet: den Wind. „Man sieht, wie sich die Riesen biegen im Wind und in der Brise heulen – das ist ein surrealer Anblick und geradezu gespenstisch, wenn der Wind nachts bläst.“

Wayne sagt, der Wind in Chitaki bläst so zuverlässig und ist immer da, wie der Sonnenaufgang jeden Morgen. Vor allem bläst er fast immer in dieselbe Richtung. „Man sieht sich die Bäume an und erkennt, von wo der Wind kommt – ihre Gestalt wurde vom Wind geprägt.“

Es habe eine Weile gedauert, bis der Groschen gefallen sei und er die Regel hinter dem Geheimnis der Baobab-Formen in Chitaki verstanden hat. „Stark sein für den Wind – man kann hier nicht in die Windrichtung wachsen“. Die Baobabs passen sich an – ihre geschützten Rückseiten sehen anders aus als die, die direkt dem Wind ausgesetzt sind.

Baobab, Wayne Stutchbury, Künstler

Baobab, Wayne Stutchbury, Künstler

Baobab Mausoleum bei Chikwenya

Wayne gibt eine weitere Geschichte preis. In Chikwenya in der Nähe von Mana Pools gibt es einen besonderen Baobab. Seine Eltern betrieben dort vor langer Zeit ein Camp für Touristen. Der Baum war riesig und hatte ein großes Loch, das zur Höhle im Inneren führte.

Seine Neugier ließ ihn in die Höhle klettern. Im Innern lagen Töpfe und andere „Ruhigsteller“ wie er die Grabbeigaben für die Verstorbenen auch nennt. Holzpflöcke waren in die Wände gehauen. Sie reichten bis ganz oben zu den hohlen Ästen.

Einer der Äste war mit Lehm versiegelt. Wayne lüftete dieses Geheimnis. Hinter dem Siegel ist ein Grab. Drin liegt die Schwester des damaligen Chiefs von Chikwenya. Ihre Verwandten hatten sie in einem der enormen Äste beigesetzt und das außergewöhnliche Grab mit Lehm versiegelt. Wir kommen zu dem Schluss, dass wahrscheinlich nur wichtige Persönlichkeiten in den Ästen dieses beeindruckenden Mausoleums beigesetzt wurden.

Elefanten von Wayne Stutchbury, Künstler

Elefanten von Wayne Stutchbury, Künstler

Fortsetzung des Baobab Abenteuers

Wie sich herausstellt, traf Wayne während seiner Baobab Abenteuer nicht nur auf Löwen. Als er in Chitaki einen Baobab malte, näherte sich eine Elefantenherde, die auf dem Weg zum Fluss befand.

Obwohl der Wind zu seinen Gunsten stand, beschloss er, seinen Malplatz zu verlassen. Mangels alternativem Versteck kletterte er auf einen Baobab. Einer der Elefanten kam direkt auf „seinen“ Baum zu und kratzte seine Haut an der schimmernden Rinde.

Der Abenteurer schaute auf den Rücken des Dickhäuters. Von dort oben schien er deutlich größer als ein Land Rover zu sein. Er war so breit, dass sich darauf Stöckchen, Blätter und Staub gesammelt hatten.

Der Elefant lief um den Baum, immer noch damit beschäftigt, sich die Haut zu kratzen. Plötzlich hielt er inne. Obwohl Wayne sehr still war in seinem Versteck, muss der Riese eine Prise von ihm in die Nase bekommen haben. Der große Rüssel schob sich langsam in Waynes Richtung.

Am Knöchel geschnüffelt…

Letzterer fragte sich, ob er hoch genug geklettert war. Der Elefant gab sich sichtlich Mühe, herauszufinden, wer oder was sich oben im Baum befand. Die Rüsselspitze kam Waynes Knöcheln gefährlich nahe.

Plötzlich jedoch schien die juckende Haut wieder ganz die Aufmerksamkeit des Riesen zu absorbieren. Er setzte seine Hautpflege am Stamm fort. Dieses Mal jedoch nicht mit sich im Reinen – die Frage, was sich im Baum befand, ließ ihn nicht los.

Kurze Zeit später setzte der Dickhäuter seine Suche fort – dieses Mal schien er irritiert, weil er nicht herausfinden konnte, wo Wayne sich versteckt hatte. Der Elefant hatte noch nicht verstanden, dass Wayne direkt über ihm saß. Nach einiger Zeit gab er auf und wendete sich ab. Wayne konnte sich nicht zurück halten und rief „hey“. Der Elefant hielt an – kam aber nicht mehr zurück. Wahrscheinlich hat er „das nächste Mal“ gedacht.

Landschaft, Wayne Stutchbury, Künstler

Landschaft, Wayne Stutchbury, Künstler

Mit Blättern sind Baobabs nur große Knollen

Am liebsten zeichnet er Baobabs im Juli und August in Simbabwe – wenn „alles ein bisschen braun ist.“ Die Blätter behindern eine klare Sicht auf die Struktur, die er als Künstler am liebsten sieht. Mit Blättern sei der Baobab „nur eine große Knolle – ich muss aber den Gesamteindruck der Form bekommen.“

Wenn er Stunde um Stunde da sitzt und malt, inspiriert ihn genau diese ausgeprägte Form dazu, über die Abstammungslinien der Baobabs nachzudenken. „Wenn man sie viel zeichnet, denkt man über ihre Verwandtschaft nach und ob dieser Baum eine Tochter von jenem Baum ist“. Er ist fasziniert von der Idee einer DNA-Analyse, mit deren Hilfe man bestimmen könnte, wie Generationen von Baobabs sich ausgebreitet haben.

Menschen, die Baobabs Lieben

Unsere Unterhaltung bewegt sich zum letzten Punkt und wir sind uns einig, dass ein Baobab Event, der alle Baobab-Liebhaber zusammenbringt, das „Größte“ wäre. „Es ist wie eine große Familie sein – ihr würdet Euch wundern“, sagt Wayne. Jeder hat seine eigene kleine Verbindung zu dem Baum.

Baobabs sind besondere Bäume und so leicht zu identifizieren. Menschen nutzen die Riesen für so viele Zwecke – zum Beispiel als Orientierungshilfe. Niemand würde einen Mopane-Baum zur Orientierung nutzen…

Wir könnten noch Stunden über Baobabs plaudern, doch der nächste Termin erwartet und schon. Trotz „Termindruck“ formt sich eine schöne Idee: ein „Tag des Baobab“ nimmt Gestalt an.

Mehr Information: Wayne Stutchbury

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