Eine Baobab Hüterin im Aufwind

Hausgarten von Baobab Hüterin Evelina mit Baobab, 2018

Hausgarten von Baobab Hüterin Evelina mit Baobab, 2018

Wir sind auf dem Weg nach Mukovha wa Bale zur Baobab Hüterin Evelina Tshitete. Zusammen mit Dr. Sarah Venter und Noemie Bauer möchte ich „meinen“ Affenbrotbaum sehen. Evelina hat das Bäumchen zusammen mit der Baobab Foundation von Sarah Venter aus Samen gezogen, ein Jahr gehegt und gepflegt und es in der Regenzeit 2017 in ihrem Hausgarten ausgepflanzt. Ermöglicht hat das eine Spende über die Stiftung, finanziert wurde sie von mir. Verständlicherweise bin ich sehr neugierig, wie sich der kleine Baobab entwickelt hat. 2018 habe ich Baobab Hüterin Evelina und den kleinen Baum zum ersten Mal besucht. Damals wirkte das Bäumchen unscheinbar.

Baobab Hüterin Evelina und ihr Baobab, 2018

Baobab Hüterin Evelina und ihr Baobab, 2018

Sichtbare Veränderung im Hof der Baobab Hüterin

Jetzt im Dezember ist die Regenzeit endlich da, der lang ersehnte Regen lässt die Umgebung in düsteres Einheitsgrau versinken. Der Himmel gibt alles. Gut für die Natur, weniger gut für uns. Zum Glück hält der heftige Regenguss heute nicht allzu lange an. Durch tiefe Pfützen auf den sonst sandigen Pisten tasten wir uns ohne Allradfahrzeug voran. Nach einigem Suchen kommen wir am Häuschen von Evelina an. Mich haut es fast um: wie hat sich das Grundstück verändert! Kein Wunder, dass wir es suchen mussten. Das kleine Ein-Raum-Haus, das 2018 so sauber verputzt und adrett in der Abendsonne stand, war enorm gewachsen. Nebenan thront eine weitere Struktur, deren Zweck wir bald erfahren.

Der kleine Baum im Hausgarten der Baobab Hüterin

Zunächst aber wenden wir uns dem kleinen Hausgarten mit dem Baobab zu. Die Baobab Hüterin wirkt etwas verlegen. Sie erzählt uns zwar, dass sie sich gut um das Bäumchen gekümmert hat. Doch davon ist heute nicht mehr viel zu sehen.

 

Am Vortag überwand eine streunende Ziege den Zaun um das Gärtchen. Sie fraß die frischen Triebe vom kleinen Affenbrotbaum, die er hoffnungsfroh seit Beginn der Regenfälle ausgetrieben hatte. Davon war natürlich nichts mehr zu sehen. Deshalb sieht der Baum auch noch in etwa so aus, wie seit unserem letzten Besuch. Immerhin ist er noch am Leben und wird, da die Regenzeit erst angefangen hat, auch kräftig weiter wachsen. Wenn die Ziegen, Hühner und Rinder draußen bleiben aus dem Hausgarten.

Regenzeit und Waschtag

Wie die meisten Frauen in der Gegend macht auch Baobab Hüterin Evelina das meiste aus den Regenfällen. Sie scheint die Wäsche der ganzen Familie gewaschen zu haben. Nun hängt sie an einer langen Leine zum Trocknen und flattert munter im Wind. Die Wäsche versperrt uns den Blick auf den Grund von Evelinas finanziellem Aufschwung. Stolz erzählt sie uns, dass sie bei Nachbarn und Familie einen Kredit von 8.000 Südafrikanischen Rand aufgenommen hat. Umgerechnet sind das „nur“ etwa 420 Euro. Für Evelina ist das sehr viel Geld. Aber was genau hat sie mit dem Geld gemacht?

Geschäftsidee erfolgreich umgesetzt

Die Baobab Hüterin hat investiert – und zwar in einen Hühnerstall. Sie zieht darin kleine Küken groß und verkauf sie auf lokalen Märkten. Mit einem Teil des erwirtschafteten Geldes hat sie in den Ausbau ihres Hauses investiert. Mittlerweile stehen drei Räume. Einen weiteren Teil der Erlöse nutzt sie zur Tilgung ihres Kredits, den sie auch schon fast ganz abbezahlt hat.

Hühnerstall im Hof, Limpopo, Südafrika, Heike Pander

Hühnerstall im Hof, Limpopo, Südafrika, Heike Pander

Hindernisse überwinden und weiter aufbauen

Doch ganz so einfach ist es mit dem Erfolg für Evelina auch nicht. In der Woche vor unserem Besuch, herrschten in der Limpopo-Provinz 46 ° C. Das war nicht nur für die Menschen zu viel, sondern vor allem für das Vieh. Besonders hart hat es die kleinen Hühnchen getroffen. Trotz Evelinas Bemühungen, die Tiere mit Wasser zu kühlen, hat sie viele verloren. Aufgeben will sie deshalb nicht. Sie wird sich neue Küken kaufen und weiter machen. So wie sie das immer getan hat.

Freilaufende Hühner, Limpopo, Südafrika, Heike Pander

Freilaufende Hühner, Limpopo, Südafrika, Heike Pander

Auf mehrere Standbeine bauen

Neben den Hühnerverkäufen betreibt sie ihren Handel mit frittierten Teigteilchen und Popcorn an einer Schule. Sie arbeitet hart und die Ergebnisse machen sie stolz. Im Vorjahr hatte sie uns noch erzählt, dass sie eine wichtige Geldquelle – einen Teil des Kindergeldes – verlieren würde. Eine ihrer Töchter wurde volljährig und damit entfällt diese staatliche Zuwendung. Damals hatte ich mich gefragt, wie sie diesen Einnahmenverlust kompensieren würde. Heute sehe ich, wie erfolgreich sie gewirtschaftet und gearbeitet hat. Das freut mich – ich bin beeindruckt, wie sie ihr Leben meistert.

Baobab Hüterin Evelina Tshitete, Limpopo Provinz, Südafrika, Heike Pander

Baobab Hüterin Evelina Tshitete, Limpopo Provinz, Südafrika, Heike Pander

Baobab Hüterin Evelinas Geschichte – ein Kapitel in meinem Buch

Und weil mich Evelinas Geschichte so berührt, habe ich mich beim Schreiben meines Buchs „111 Gründe, Südafrika zu lieben“ dazu entschlossen, ihr und dem kleinen Baobab ein Kapitel zu widmen. Bevor wir uns für dieses mal wieder verabschieden, schenke ich ihr das Buch. Sarah Venter übersetzt für mich. Ich schaue in Evelinas strahlendes Gesicht und freue mich, dass sie sich freut.

Baobab Hüterin Evelina Tshitete mit meinem Buch "111 Gründe, Südafrika zulieben" in dem ein Kapitel über sie und den kleinen Baobab ist, Heike Pander

Baobab Hüterin Evelina Tshitete mit meinem Buch „111 Gründe, Südafrika zulieben“ in dem ein Kapitel über sie und den kleinen Baobab ist, Heike Pander

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