Baobabs erfolgreich aus abgeschnittenen Ästen vermehren

Baobabs vermehren sich – wie viele andere Pflanzen auch – aus einem für ihre Größenverhältnisse winzigen Samen. Das ist der übliche und für Pflanzenfreunde gar nicht so schwierig selbst nachvollziehbare Weg. Doch es gibt auch mindestens eine andere Möglichkeit, wie du aus einem Affenbrotbaum zwei oder sogar mehrere gewinnen kannst. Mit etwas Geduld klappt die Vermehrung von Baobabs auch über abgeschnittene Äste, also Ableger. Wie das geht erfährst du im folgenden Beitrag.

Baobab Wurzel am Rückschnitt

Baobab Wurzel am Rückschnitt

Eine höchst interessante aber leider auch etwas langwierigere Möglichkeit der Vermehrung von Affenbrotbäumen ist das Ziehen derselben aus abgeschnittenen Ästen. Langwierig deshalb, weil Du den Ableger, also den abgeschnittenen Ast, erst dazu animieren musst, eigene Wurzeln zu bilden. Eine Freundin in Südafrika, die über viele Jahre Baobabs in einer Baumschule züchtete, erzählte mir, dass sie auf diese Weise unzählige Baobabs vermehrt hatte. Sie schnitt einfach Äste von Bäumchen, steckte sie in Behältnisse mit einem Gemisch aus Wasser und Sand und überließ sie sich selbst. In diesen Eimern oder Bottichen trieben die Baobab-Äste schnell ihre Wurzeln aus.

Meine Versuche in Deutschland verliefen weit weniger einfach und alles andere als schnell aber nichtsdestotrotz erfolgreich. Üblicherweise gehe ich zur Vermehrung von Baobabs durch das Abschneiden von Ästen so vor: Im späteren Sommer, also so ab Mitte August, wenn die Bäume ihre Hauptwachstumsphase fast beendet haben, schneide ich die neuesten Austriebe ab. Sie sollten blattmäßig noch gut ausgestattet sein – also noch mehr als fünf bis sechs Blätter tragen und am Stängel bereits Anzeichen von Verholzung aufweisen.

Wo schneidet man Baobabs am besten zurück?

Der Ast-Abschnitt sollte nicht zu kurz sein. Ich achte darauf, dass er mindestens 30 Zentimeter lang ist – oder besser noch mehr. Die Höhe, an der du schneidest, hängt davon ab, was du mit dem Affenbrotbaum vorhast. Willst du einen Bonsai daraus ziehen, orientierst du dich am besten an entsprechenden Vorgaben. Geht es dir lediglich darum, einen schönen kleinen Baobab mit dickem Stamm zu haben, legst du die Höhe, in der du schneidest, selbst fest. Bitte beachte: die Schnittstelle am Baum wird etwas nachtrocknen. Etwa zwei bis fünf Zentimeter solltest du dafür einplanen. Du kannst die eingetrocknete Stelle später nachkürzen. Zum Schneiden verwendest du am besten eine Gartenschere aus dem Fachhandel, wie du sie zum Rückschnitt von Rosen oder Sträuchern im Garten auch einsetzen würdest. Versuche, einen glatten Schnitt zu bekommen, ohne den Ast zu quetschen.

Baobab Rückschnitte mit Blättern im Wasserbehältnis

Baobab Rückschnitte mit Blättern im Wasserbehältnis

Ast-Abschnitt in die Erde oder feucht halten

Den abgeschnittenen Ast stellst du sofort in ein Gefäß mit Wasser, damit er unten nicht eintrocknet. Wenn das nicht gleich möglich ist, sorge dafür, dass der Anschnitt feucht bleibt. Hilf dir beispielsweise mit einem nassen Tuch. Lass das abgeschnittene Ende so lange umwickelt, bis du den Ast ins Wasser stellen kannst. Mit der Beigabe von Erde oder Sand konnte ich den gewünschten Effekt der Wurzelbildung im Gefäß nicht erreichen. Meine Stecklinge fingen an zu faulen und gingen nach kurzer Zeit im Wasser ein.

Bei reinem Wasser (Regenwasser oder entkalktem Wasser aus der Leitung) klappt es bei den Ästen mit dem Austreiben von Wurzeln besser. Allerdings kann es sein, dass du viel Geduld mitbringen musst. Von drei Stängeln, die ich im August 2019 abschnitt, trieben zwei ihre ersten Wurzeln etwa ein Jahr später aus. Ein Stängel steht auch heute, also fast 1,5 Jahre später, noch im Wasser. Da er lebt und frische grüne Blätter austreibt, lasse ich ihn vorerst auch so stehen. Erst mit einer gut ausgebildeten Wurzel pflanze ich die Ableger in die Erde. Bis es so weit ist, wechsle ich hin und wieder das Wasser im Gefäß.

Baobab Gewächse am abgeschnittenen Ast im Wasserbad

Baobab Gewächse am abgeschnittenen Ast im Wasserbad

„Wurzeln“ sind nicht gleich Wurzeln

Lass dich von einem Phänomen im Wasserbehälter nicht täuschen: Nach kurzer Zeit im Wasser formen sich bereits Gebilde am Astabschnitt, die zwar den Anschein von Wurzeln erwecken – aber eben noch keine sind. Zieht man den Ast aus dem Wasser, fallen sie sofort in sich zusammen. Stellt man den Ast gleich ins Glas zurück, erholen sie sich. Setzt du den Stängel verfrüht und ohne echte Wurzeln in die Erde, geht er möglicherweise ein. Echte Wurzeln sind weißlich und stabiler als die Gewächse an den Stängeln. Sobald sie sich zeigen kannst du den Baobab-Ast in die Erde pflanzen.

Baobab Wurzel am Rückschnitt

Baobab Wurzel am Rückschnitt

Die beste Erde für den Baobab

Erde, die du fürs Einpflanzen verwendest, sollte so beschaffen sein, wie bei anderen Baobabs auch. Am besten nimmst du Kakteenerde oder ein Gemisch aus Erde und Sand. Dabei solltest du darauf achten, dass das Gieß- oder Regenwasser gut aus dem Topf ablaufen kann. Guter Wasserablauf ist essentiell bei der Pflege und Anzucht von Baobabs, da sie bei Staunässe leicht von Wurzelfäule befallen werden.

Das Gießen unterscheidet sich auch nicht vom Vorgehen bei anderen Affenbrotbäumen im Topf. Am besten prüfst Du mit dem Finger, ob sich die Erde um die Wurzel trocken anfühlt. Erst dann gießt du nach, denn sonst kann es zu besagter Wurzelfäule kommen. Was mich beim Gießen und dem Verhalten um das Thema Wasser immer wieder fasziniert: die Baobab-Äste halten es ein Jahr und mehr im Wasserbad aus, doch sobald sie Wurzeln bekommen und in der Erde stehen, sind sie durch Wurzelfäule gefährdet!

Wo steht der Baobab richtig?

Wichtig ist der Standort für Baobabs: sie mögen es warm, hell und sonnig. Zugluft mögen sie nicht. Baobabs, die ich 2019 aus Ästen zog und im August 2020 in die Erde setzte, standen für einige Zeit an einem Ort mit feuchter Raumluft. Ich musste mehrmals täglich lüften. Ein trockener Platz stand nicht zur Verfügung. Im Sommer stellt das noch kein großes Problem dar. Doch Feuchtigkeit in Kombination mit häufigem Lüften im Winter war für die Bäumchen zu viel. Die Baobabs fühlten sich überhaupt nicht wohl. Innerhalb kürzester Zeit ließen sie alle noch vorhandenen Blätter fallen. Die Erde im Topf trocknete gar nicht richtig ab und bildete an der Oberfläche weiße Schimmelflecken.

 

Ich stellte die Baobabs in ein Zimmer mit trockener Luft und ließ die Erde abtrocknen. Innerhalb von zwei Wochen erholten sie sich und trieben – wider Erwarten – sogar im Dezember letztes Jahr noch ganz schnell frische Blätter aus. Dabei hatte ich doppeltes Glück, denn beim Eintopfen eines der Äste brach ein großes Stück der frisch ausgetriebenen Wurzel ab. Der kleine Baobab schaffte es trotzdem und bekam auch keine Wurzelfäule.

Keine Scheu vor Rückschnitten am Stamm des Baobabs

Wer Baobabs in der Wohnung zieht, stellt bei optimaler Pflege vermutlich nach etwa drei Jahren fest, dass kleine Baobabs fast schon unheimlich schnell in die Höhe schießen. Vorausgesetzt, die Umstände passen: hell, warm, ausreichend Wasser und Nährstoffe. Dann ist schnelles Höhenwachstum völlig normal. Denn in der Natur sind Affenbrotbäume in ihren ersten Lebensjahren aus Selbstschutz bestrebt, schnellstmöglich in die Höhe zu wachsen. Auf diese Weise entkommen sie Fressfeinden. Ihre zarten Triebe und frischen Blätter sind beliebt bei Ziegen, Rindern, Hühnern und in der Wildnis bei Antilopen. In einer mit normalen Zimmerdecken ausgestatteten Wohnung führt das Höhenwachstum nach einigen Jahren dazu, dass sie an die Decke stoßen. Selbst wenn man das Glück hat und in einer Altbauwohnung wohnt. Die Lösung ist ein rechtzeitiger Rückschnitt am Hauptaustrieb. Diesen überstehen die Bäume in der Regel sehr gut.

Baobab Rückschnitt mit kleiner Wurzel und Gewächsen am unteren Astende

Baobab Rückschnitt mit kleiner Wurzel und Gewächsen am unteren Astende

Gutes Timing beim Rückschnitt schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe

Bei entsprechendem Timing des Rückschnitts bekommst du einen weiteren Baobab in deine Sammlung und sorgst dafür, dass dir die Pflanze nicht „über den Kopf wächst“. Ein weiterer interessanter Aspekt: durch das Kürzen der Höhe hat der Baum mehr Energie, die er künftig in sein Wachstum in die Breite stecken kann. Das sorgt bereits in frühen Jahren für den Ansatz der typischen bauchigen Stammform. Nutze am besten die Zeit gegen Ende der Wachstumsperiode – also gegen Ende des Sommers zum Rückschnitt. Dann stehen die Baobabs meist gut im Saft und haben ausreichend Blätter. Sie helfen dem Baobab dabei, Wasser aufzunehmen, solange sie am Baum sind. Schneidest Du einen Ast mit Blättern ab, werden letztere im Wasserbad weiter versorgt. Damit das so bleibt, bildet der Baobab irgendwann neue Wurzeln.

Ein Manko bringt die Vermehrung aus Ästen mit sich:

Allerdings muss man, was das Vermehren von Baobabs aus Ästen anbelangt, auch fairerweise dazu sagen, dass sie in den ersten Jahren nicht die für Affenbrotbäume typische bauchige Form am Stamm annehmen. Sie wachsen eher schlank in die Höhe. Du kannst versuchen, über das Kürzen der Wurzeln und des Hauptstamms eine Verdickung des letzteren zu erreichen – aber das kann Jahre dauern. Die bauchige Form am Stamm kann aber auch bei Baobabs, die aus Samen gezogen wurden, lange dauern. Der dickere Stamm ergibt sich meist erst, wenn du Äste und Wurzeln gezielt und regelmäßig zurückschneidest und sie in einem kleineren Topf wachsen lässt.

Baobab Rückschnitt mit kleiner Wurzel und Gewächsen am unteren Astende

Baobab Rückschnitt mit kleiner Wurzel und Gewächsen am unteren Astende

Produzieren Baobabs Ableger aus Wurzeln?

Auf eine weitere Art der Vermehrung bin ich auf meinen Reisen gestoßen. Ich habe gehört, dass Baobabs in der Natur auch aus Wurzeln Ableger bilden und sich auf diese Weise vermehren. Ein Beispiel habe ich in Kasane in Botswana kennengelernt. Das vermehren durch Ableger kann man sich in etwa so vorstellen: Ein großer, alter Baobab hat über der Erde nicht nur ein weit verzweigtes Astwerk, sondern unter der Erde ein sich ebenso weit ausbreitendes Wurzelwerk. Pro Haupt-Ast am Baum gibt es unter der Erdoberfläche einen Wurzelstrang, der den Ast über der Erde versorgt. In ihren ersten Lebensjahren ziehen kleine Baobabs aus einer Pfahlwurzel Nährstoffe und eingelagertes Wasser, damit sie Trockenzeiten überstehen können. In späteren Jahren bilden sie ein flaches Wurzelnetz unter der Erdoberfläche, dass sie zu Flachwurzlern macht. Bei alten Bäumen können sich die Wurzeln sogar mehrere Hundert Meter weit ausbreiten. In Südafrika steht ein Baum, dem man Wurzeln in 500 Metern Entfernung zuordnen konnte.

Aus diesen weiter entfernten Wurzeln kann also ein weiterer Sprössling, ein neuer Stamm sozusagen, austreiben. Dieser Ableger gedeiht dann in einiger Entfernung vom Hauptstamm und entwickelt sich selbst zum großen Baobab. Wissenschaftlich bestätigt bekam ich dieses Phänomen durch Forscher in Südafrika, die sich mit Affenbrotbäumen befassen. Auf jeden Fall ist das bei Bäumen eine interessante Variante der Vermehrung und eine clevere Überlebensstrategie.

Baobabs – die Überlebenskünstler

Baobabs haben aber noch mehr Überraschungen auf Lager, wenn es um den Fortbestand der Art geht. In verschiedenen Ländern habe ich auf meinen Reisen Baobabs gesehen, die als solche schon fast nicht mehr zu erkennen waren. In einem Dorf am Malawisee „lag“ – im wahrsten Sinne des Wortes – der Rest eines Baobab-Stamms auf der Erde. Wie ein großer grauer Klotz lag er da. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass es sich um einen umgekippten und übel zugerichteten Baobab handelte. Die Menschen hatten Äste und Blätter des einstigen Riesen längst entfernt. Die Rinde wies arge Vernarbungen auf. Aus der Nähe konnte ich sehen, dass der Baum immer noch am Leben war. Ins Erdreich hatte er Wurzeln getrieben und aus seiner Rinde sprossen dünne Äste – wie kleine Antennen. Im Laufe der Zeit und wenn Tier und Mensch den Riesen in Ruhe lassen – werden seine Äste dicker und weiter in die Höhe wachsen. Seine Nahrung stellt er – bis er wieder über Äste und Blätter verfügt – mit chlorophyll-haltigen Zellen in seinem Stamm her. Darin hat er auch Wasser in ganz speziellen Zellen eingelagert. Das hilft ihm, sich auf Minimalniveau selbst zu versorgen, um auf bessere Tage zu hoffen.

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