Wissenschaftliches Interesse an Baobabs

Diana Mayne (re) und David Baum mit Baobab

Diana Mayne (re) und David Baum am Baobab

„So viele Menschen in Südafrika lieben Baobabs, es scheint eine emotionale Bindung an den Baum zu geben – selbst wenn man ihn nur oberflächlich kennt. Für jene, die ihn wirklich kennen lernen, entsteht eine noch größere emotionale Anziehungskraft. Das ist ein ausgesprochen interessantes Forschungsgebiet. Meine Welt dreht sich mehr und mehr um die ernsthafte und authentische Erforschung von Baobabs, denn gerade über diesen Baum besteht eine immense Wissenslücke“, sagt Diana Mayne im Interview.

Am letzten Tag meiner „Baobab-Mission“ treffe ich die Baobab-Forscherin Diana Mayne Ende 2015 in Südafrika. Sie studierte Architektur, interessierte sich aber damals schon für die Welt der Pflanzen. In unserem Gespräch erzählt sie mir ihre erstaunliche Geschichte, wie sie letztendlich in der Baobab-Forschung gelandet ist.

Um die Jahrtausendwende durchlebte die Wissenschaftlerin eine schwere gesundheitliche Phase, in der sie sich mehreren Operationen an Händen, Armen und Beinen unterziehen musste. Im Genesungsprozess steckte sie wochenlang in Gipsverbänden fest und war in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Eines Tages brach ihr Mann zu einer Geschäftsreise nach London auf. Sie hatte genug vom Herumsitzen in ihrem Gips, der ihr damals bis zum Knie reichte. Sie beschloss, ihren Mann zu begleiten. Für die Rückreise hatte sie sich einen kleinen Umweg überlegt: sie wollte die Baobabs in Senegal sehen.

Baobabs in Senegal

„Wie stellst Du Dir das vor mit Deinem Fuß in Gips – außerdem sprichst Du nicht gut Französisch“, meinte ihr Mann. Dianas Antwort war einfach: „Ich möchte dort die Baobabs sehen“. Sie buchte ihren Flug nach Dakar. Ihre „Baobab Reise“ startete sie mit einem Besuch auf der Insel Gorée, die auch als „Sklaveninsel“ bekannt ist. Ein trauriger Ort, der als einer der Ausgangspunkte für die Verschiffung von Sklaven nach Lateinamerika bekannt wurde.

Während sie weitere Baobab Standorte aufsuchte, hörte sie von der „Ile de Madeleine“, einer vulkanischen Insel direkt vor der Küste Dakars. Auch diesen Ort wollte sie unbedingt aufsuchen. In der Regel erreichen Touristen die kleine Insel per Boot, das normalerweise regelmäßig verkehrt. Betrieben wird es vom Ministerium für Gewässer und Forst, denn dieser Flecken Erde ist ein Naturschutzgebiet. Leider war das Boot damals defekt und wartete auf seine Reparatur.

Diana humpelte zu einem nahe gelegenen Fischerdorf. Dort fand sie zwei Fischer, die sie in ihrer Piroge zur Insel brachten. Als sie sich jedoch der Insel näherten, tauchte eine weitere Schwierigkeit auf: die Anlegestelle war perfekt, aber um auf das Plateau mit den Bäumen zu gelangen, musste sie erst einen Anstieg überwinden. Sie mühte sich mit dem Gipsbein ab. „Plötzlich packte mich einer der Fischer und legte mich über seine Schulter – wie einen Sack Kartoffeln“, sagt sie mit einem Lachen im Gesicht. Verständigen konnten sie sich nicht, denn keiner sprach die Sprache des anderen. Sie erinnert sich, dass der Mann außerordentlich stark und „ziemlich groß“ war.

"Mama Mbuyu", Diana Mayne bei den Hadzabe, Tansania

„Mama Mbuyu“, Diana Mayne bei den Hadzabe, Tansania

Kleinwüchsige Baobabs

Oben angekommen, sah sie ihre ersten „Zwerg-Baobabs“, wie die Bäume in der Gegend auch genannt werden, weil sie so kleinwüchsig sind. Ihr Blätterdach ist außergewöhnlich ausladend und reicht in einigen Fällen bis zum Boden. Manche vermuten deshalb eine andere Baobab-Spezies als auf dem übrigen Kontinent. Nach Ansicht der Forscherin hätten sie „auf dem Inselkamm zu viel Wind abbekommen“ und sich als Folge den harschen Lebensbedingungen angepasst.

Der Forscher Michael Adanson war der Namensgeber der afrikanischen Spezies auf dem Kontinent. Er erwähnt die Baobabs des Senegal in seinen Schriften. Andere Forscher hatten ihre Inschriften auf der Rinde der Bäume hinterlassen. Diana konnte diese Hinterlassenschaften bei ihrem Besuch nicht lokalisieren. Die Bäume scheinen ihr eigenes „Delete-Programm“ für derlei Schädigungen zu haben, indem sie „Rinde darüber wachsen lassen“.

Baobabs beim Marabout

Zurück auf dem Festland reiste Mayne an der Küste entlang auf der Suche nach weiteren Baobab Standorten. Dabei stieß sie Faszinierendes: „Ich habe kleine Gehöfte mit Umfriedungen gesehen, in die Baobabs gepflanzt worden waren. Gerne hätte ich gewusst, zu welchem Zweck die Baobabs dort wuchsen.“ Der senegalesische Führer, der sie damals begleitete, war zunächst nicht bereit, sie mitzunehmen. Es dauerte eine Weile, bis die Menschen Vertrauen zu Diana fassten. An einem der umfriedeten Baobabs lebte ein senegalesischer Marabout. Er galt als heiliger Mann in der Tradition des Sufismus, die eine mystische Dimension des Islam ist. Marabouts verwenden Kräuter und alternative Heilmittel. Dazu gehört auch der Baobab. Interessanterweise nimmt man nicht Bestandteile des Baums, der ebenfalls heilig ist und deshalb nicht beschnitten oder beschädigt werden darf.

Stattdessen bringen die Menschen Opfer unter den Bäumen dar, beispielsweise das Blut von Tieren. Verlässt man den Ort des Baumes, besprenkelt man dessen Stamm mit Milch. Die Umgebung um den Baobab wurde als „Lebendiger Geist“ gesehen und mit Tontöpfen und langen Stöcken dekoriert als Symbol für den Sitz der Lebenskraft. An diesen Ort kamen Menschen, um zu baden.

Diana Mayne am Raft Point, Kimberley, Australien

Diana Mayne am Raft Point, Kimberley, Australien

Für die Forscherin war das höchst interessant: „Weil sie erkannte, wie wichtig die Bäume für die Menschen waren. Davor hatte ich Baobabs noch nie als heilige Gegenstände gesehen. Deshalb interessierte es mich sehr, mehr über die Bäume zu erfahren.“ Das war zwar nicht das ursprüngliche Ziel ihres Besuchs aber „es öffnete mir eine ganz neue Welt dessen, was ich nie über diesen Baum realisiert hatte.“

Mit neu erwachtem Interesse fuhr sie nochmals nach Senegal und besuchte viele weitere Baobab-Standorte auf dem afrikanischen Kontinent und weltweit. Dazu gehören auch die Baobabs auf Madagaskar, in der Karibik und in Indien. Auch in Australien war sie mehrfach, um die „Boabs“, wie die Baobabs dort genannt werden, zu erforschen.

Dianas Forschungsschwerpunkte

Nach dieser faszinierenden Baobab-Intro tauchen wir in die wissenschaftlichen Bereich von Dianas Baobab-Welt ein. Während sie auf dem „Baobab-Pfad“ ihrer Arbeit voranschritt, begegnete sie vielen Menschen, die sich für die Bäume interessierten. Gleichzeitig bedauert sie, dass nur wenige sich einer angemessenen Erforschung einschließlich zuverlässiger Feldarbeit verschrieben.

"Mama Mbuyu", Diana Mayne bei den Maasai, Tansania

„Mama Mbuyu“, Diana Mayne bei den Maasai, Tansania

„Andere Arten werden seit vielen Jahren wissenschaftlicher erforscht – nicht so der Baobab. Das ist kaum zu glauben, wo es sich beim Baobab um einen ikonischen Baum handelt. Leider gibt es bis heute kaum relevante Forschung“. Einige Ergebnisse gibt es über die Nutzung, Genetik und die Nachzucht der Bäume über Stecklinge. Dazu führt Diana aus:

„Eines der großen Probleme bei der Arbeit an Sämlingen ist, dass sie einfacher ist als die Arbeit an ausgewachsenen Bäumen.“ Sämlinge haben noch keine Anpassungen durchlaufen wie erwachsene Bäume.“ Als Beispiel nennt sie die Forschung zur Salz-Toleranz im Wasser bei Baobabs. Untersuchungen zeigten, dass junge Bäume kein salzhaltiges Wasser vertragen. Diana hingegen fand ältere Baobabs verschiedener Arten, die in Meeresnähe wuchsen. Könnten diese Baobabs Salz im Wasser nicht bis zu einem gewissen Grad tolerieren, würden sie dort nicht wachsen. Mehr Information wünscht sich die Wissenschaftlerin vor allem auch in den Bereichen der Wurzeln und der Keimung der Giganten.

Baobabs mögen es gleichmäßig warm

„Wo sie im gemäßigten Klima wachsen, tun sie dies gut und schnell“ resümiert die Wissenschaftlerin aufgrund ihrer eigenen Arbeit. Haben die Bäume bessere klimatische Bedingungen in gleichmäßigerem Klima und mehr Regen zur Verfügung, wachsen sie deutlich schneller als in ihren endemischen Lebensräumen, wo sie starker Trockenheit und erratischen Niederschlägen ausgesetzt sind.

Neben der Physiologie der Baobabs widmet sie sich in ihrer Forschung auch den kulturellen Aspekten der Baobab-Mensch-Beziehung, der Genetik und Verbreitung der Bäume und in diesem Zusammenhang auch dem Ursprung der Baobabs. Ferner interessiert sich die Forscherin auch für die Arbeit von Entdeckern wie Baines oder Adanson.

Im Augenblick konzentriert sie sich auf die Erforschung von Dürreresistenz, den Auswirkungen des Klimawandels auf bestehende Baobab Populationen sowie der Architektur der Bäume. Bei Letzterem geht es um deren Statik. Das vorhandene wissenschaftliche Material auf diesen Gebieten ist nicht ergiebig und zwingt sie, ihre Forschung auf ähnliche Spezies oder Bäume auszudehnen: „Das ist ziemlich schwieriges Material – es fühlt sich manchmal an, als würde ich die Universität nochmal durchlaufen und mich dieses Mal selber unterrichten“.

Verschiedene Buchprojekte sind angedacht

Mayne plant eine Buchreihe über die verschiedenen Baobab Arten. Diese Arbeit umfasst wissenschaftliche Zeichnungen, zum Beispiel der Blüten, die spektakulär aussehen. Die Perfektionistin arbeitet mit einer botanischen Illustratorin aus England zusammen. Die zu zeichnenden Teile müssen exakt gemessen und gezählt werden – zum Beispiel die Anzahl der Staubblätter der Blüten, die sich bei jeder Art unterscheidet. „Es muss absolut genau und maßstabsgetreu sein“ sagt die Wissenschaftlerin und ergänzt sie könne das nachvollziehen dank ihrer Vorkenntnisse aus ihrer Arbeit als Architektin.

Baobab Blüte

Baobab Blüte

Ein weiteres Buch in Planung fokussiert auf den Baum und seine Bedeutung für den Menschen. Darunter fällt seine spirituelle Bedeutung, die Formen der Nutzung in verschiedenen Ländern einschließlich der Verwendung als Nahrungsmittel und in der traditionellen Medizin.

„Es gibt so viele Facetten von Baobabs, die interessant sind“, sagt die Baobab-Forscherin mit etwas Bedauern in ihrer Stimme, denn sie sei so beschäftigt, dass sie nicht die Zeit finde, alles gleichzeitig zu erledigen. Das ist schade, denn Diana Mayne ist eine sprudelnde Quelle an Baobab Knowhow und eine großartige Person, mit der ich sehr gerne über eines meiner Lieblings-Themen spreche: Baobabs.

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2 Kommentare zu “Wissenschaftliches Interesse an Baobabs

  1. Faszinierend und Großartig!
    In den letzten Jahre widmen sich immer mehr und mehr Forscher und Baobabfreunde der Erkundung diesem einmaligen Baum.
    Ich vermute das in den kommenden 5-10 Jahre mehrere spannende Bücher zu dieser Thema erscheinen werden.
    Seit 7 Jahre beschäftigt sich auch eine Gruppe Wissenschaftler der Babes-Bolyai Universität aus Klausenburg (Cluj, Rumänien) mit dieser Thema. Sie haben, mit moderne wissenschatliche Methoden, herausgefunden das der älteste Baobab der Welt etwa über 2000 Jahre alt ist.

    • Sehr geehrter Herr Rakosy, vielen Dank für Ihren Kommentar und diese Information. Beziehen Sie sich auf Professor Patrut und seine Arbeit?
      Ich bin ebenfalls sehr gespannt, wie sich die Forschung um die Bäume weiter entwickelt.
      Herzliche Grüße

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