Eine mächtige Vision für Baobab

„Der Baobab ist dieser prähistorische, heilige, Leben spendende, einzigartige Baum. Er ist hochgradig angepasst, um in der Savanne zu überleben. Seine Frucht ist Teil dieser Anpassung und ist mit nichts vergleichbar. Er hat großes Potential und bietet Möglichkeiten für das ländliche Afrika – für die Gemeinden. Baobab Plantagen gibt es nicht – alle Bäume sind im Besitz von Familien oder Gemeinden. Auf dem Land sind sie schon eine Leben spendende Quelle. In einer globalen kommerziellen Welt bieten diese Bäume eine Einkommensquelle für Familien“, sagt Andrew Hunt, Gründer von Aduna in London, Großbritannien.

Andrew Hunt "make baobab famous"

Andrew Hunt „make baobab famous“

Als ich 2015 auf der Biofach, der Leitmesse für Biolebensmittel, an den vielen Ständen mit innovativen Lebensmitteln, Delikatessen und Neuheiten vorbei schlenderte, bleibt mein Blick plötzlich an einem riesigen, leuchtenden Schild hängen: „Hilf uns, Baobab berühmt zu machen“. Natürlich wollte ich sofort wissen, was es damit auf sich hat. Selbstredend will ich den Baobab oder auch Affenbrotbaum berühmt machen – ich bin mir nur nicht sicher, ob uns die gleiche Motivation antreibt. Zum ersten Mal treffe ich auf Andrew Hunt. Er hatte er nicht viel Zeit, um mir seine Mission ausführlich zu erläutern. Ich beschloss, meine Investigation zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.

Aduna Baobab Founders Andrew Hunt and Nick Slater with Sir Richard Branson (center)

Aduna Baobab Founders Andrew Hunt and Nick Slater with Sir Richard Branson (center)

Aduna hat in den letzten Jahren viel in Marketing Kampagnen für Baobab gesteckt und langsam zahlt sich ihr Engagement aus. Das Unternehmen hat es als Finalist in die berühmte „VOOM“ Show, die auch als „Pitch to Rich“ bekannt ist, geschafft. Initiator ist Richard Branson, der diesen Wettbewerb für innovative Unternehmen ins Leben gerufen hat. Im selben Jahr gewann Aduna den Social Impact Investment Preis des Jahres der UK Business Angels Association.

Schwierige Zeiten

Inzwischen fand das Interview mit Andrew statt. Er erzählte ausführlich über seinen langen und manchmal schwierigen Weg, der ihn schließlich zu Baobab und Aduna führte. Vor ein paar Jahren begann der Unternehmer seine Karriere in der Werbebranche in London bei einem multinationalen Unternehmen. Er war für die Vermarktung von Produkten zuständig, für die er sich entweder nicht interessierte oder mit deren Verkauf er nicht einverstanden war – beispielsweise mit Tiefkühlkost. Im Alter von 24 Jahren schlitterte er in eine existenzielle Krise und litt an einer Depression. „Nichts, was ich in meiner Verzweiflung versuchte, machte einen Unterschied“, erinnert sich Andrew.

Ein Freund der Familie bot ihm einen Job in Gambia an. Dort hatte er die Möglichkeit, sein Wissen und seine Fähigkeiten als Freiwilliger in die Projekte einzubringen. Er war noch nie zuvor in Afrika südlich der Sahara gewesen und „war auch nicht wirklich daran interessiert, hinzufahren. Glücklicherweise haben Freunde und Familie mich in das Flugzeug gesetzt.“ Er kam an die ‚lächelnde Küste von Afrika‘, wie Gambia auch genannt wird. Überraschendes passierte: „Nach nur drei Wochen erwachte ich wieder zum Leben. Ich blieb für dreieinhalb Jahre und arbeitete mit Obst- und Gemüsebauern.“

Andrew Hunt with Cocoa Fruit

Andrew Hunt with Cocoa Fruit

Der Baobab, ein freundlicher Baum

Die Früchte des Baobab lernte er zunächst als Delikatesse und „etwas, das ich persönlich genossen habe“ kennen, denn er arbeitete mit frischem Obst und Gemüse in Gambia. Andrew lebte in Strandnähe. Dort gab es viele Stände mit Obst und Fruchtsäften – unter anderem auch Baobab-Saft. Der Saft ist beliebt im Land und wird gerne zu Feierlichkeiten wie Namensgebung, Hochzeiten und anderen Familienfeiern ausgeschenkt. Er erinnert sich, „wenn du keinen Baobab-Saft hast, rümpfen die Gäste die Nase“.

Seine senegalesische „Mama“, die sich in Gambia um ihn gekümmert hat, bereitete regelmässig Baobab-Saft für ihn zu. Er mischte das trockene Pulver der Frucht in seine Protein-Smoothies. „So wurde der Baobab mein Lieblingsgetränk, bevor ich den Baum überhaupt gesehen habe“, sagt Andrew in der Rückschau. Sein Lieblingsbaum wächst in Njawara. „Dort habe ich eng mit der Gemeinde an verschiedenen Projekten gearbeitet. Wenn ich an Baobab denke, erinnere ich mich an den Baum in Njawara“, sagt er.

Baobabs sind erstaunliche Bäume und Andrew war von ihrem Aussehen fasziniert. Sie wirken prähistorisch und „ein bisschen beängstigend“ wegen ihrer knorrigen Rinde am Stamm und den spitz abstehenden, blattlosen Ästen. Mit ihrer Erscheinung sorgen sie jedenfalls für eine markante Silhouette. „Je mehr man jedoch über die Bäume erfährt, desto klarer wird, dass sie nicht beängstigend sondern eher freundlich sind“, meint er.

Geschäftsidee mit Baobab

Jahre nach seinen Erfahrungen in Gambia entwickelte er in Großbritannien die Idee, mit der Frucht des Affenbrotbaums Geschäfte zu machen. Er absolviert ein MBA-Studium, weil er „wissen wollte, wie wir mit unseren Aktivitäten eine größere und nachhaltigere Wirkung erzielen könnten“, erinnert er sich. In Gambia hatte er erlebt, wie seine Projektpartner direkt von den Einkünften ihrer Geschäftsaktivitäten profitierten. Plötzlich war Geld für Investitionen, Schulgeld und medizinische Versorgung da. Zunächst verfolgte er einen Ansatz mit der Vermarktung von Mango, bis er auf den Baobab kam.

Seine Idee nahm Fahrt auf und brachte ihn nach Senegal. Dort arbeitete er mit der Baobab Fruit Company zusammen. Zu dieser Zeit war dieses Unternehmen das erste, das die Früchte professionell verarbeitete und das Pulver aus Afrika in die EU importierte. Im Senegal erfuhr er mehr über die gesunden Inhaltsstoffe des Baobab und dachte „das ist eine außergewöhnliche Chance“. Sechs Monate ging er bei der Baobab Fruit Company in die Lehre.

Aduna Baobab

Aduna Baobab

Später in London traf er seinen Mitbegründer Nick Slater, der sich ebenfalls mit dem Affenbrotbaum beschäftigte und bereits eigenständige Forschungen anstellte. Gemeinsam sannen sie darüber nach, „wie man aus dieser Frucht eine Milliarden-Dollar-Industrie für Afrika schneidern könnte“. So schufen sie die Firma Aduna.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Baobab bereits seine Zulassung als „Novel Food“ für den Import in die Europäische Union und konnte legal eingeführt werden. Aber das Geschäft wollte nicht so richtig anlaufen. Der Anteil von Baobab auf dem Markt stagnierte – er wuchs nicht automatisch.

Andrew und Nick nannten das Phänomen den „Teufelskreis der Unklarheit“. Die Verbraucher wussten nicht, was Baobab war – „es gab null Verbraucherbewusstsein“, erinnert sich Andrew und „außerdem gab es wenig bis gar keine Investitionen in die Produktentwicklung“ fährt er fort. Aus Andrews Sicht „machte es keinen Sinn, ein Produkt herzustellen, auf dem ‚Baobab‘ stand, weil niemand wusste, was es war.“ Aduna investierte in Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung. „Das war die Rolle, in der wir uns sahen. Unser Geschäftsmodell ist die Schaffung eines Bedarfs. Denn ohne diesen Bedarf gibt es keine Nachfrage – vor allem nicht nach Produkten, von denen noch niemand gehört hat“, sagt er in der Rückschau.

Aduna Baobab Product

Aduna Baobab Product

Mittlerweile hat das Unternehmen eine Produktpalette mit Baobab-Fruchtpulver entwickelt. Die Nachfrage nach Baobab in Europa und international steigt. Auf der Biofach tauchen jährlich mehr Produkte mit Baobab Pulver als Inhaltsstoff auf. Wissenschaftler an der Universität Rhein-Waal zählten bereits mehr als 340 Produkte. In 2010 konnte „man die Produkte noch ganz leicht auf eine Power Point Folie darstellen“ erinnert sich Andrew und fährt fort „aber wir kratzen immer noch nur an der Oberfläche und unser Job ist nicht erledigt, bis wir Snickers mit Baobab als Inhaltsstoff am Markt sehen“. Das ist eine anspruchsvolle Mission.

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