Baobabs auf Zink

Baobab Radierung

Baobab Radierung, Strichätzung und Aquatinta, 15×15 cm

Baobabs mal anders: als Kunstwerke. Baumstudien von mir auf Zinkplatten für Radierungen eingefangen, von Hand bearbeitet und gedruckt.

Auf meinen Reisen im südlichen und östlichen Afrika besuche ich Baobabs in ihren natürlichen Lebensräumen. Viele eindrucksvolle Gestalten habe ich entlang der Straßen gesehen. Auf dem Land und in besonders entlegenen Gebieten bin ich auf unvorstellbare Baobab Exemplare gestoßen. Ihre Formenvielfalt und faszinierende Baumarchitektur begeistern mich schon lange. Vor Ort fotografiere ich sie oder halte sie in Skizzen fest. Vor allem während der Trockenzeit, wenn die Bäume keine Blätter tragen, wird es für mich interessant: dann zeigen sie ihre skurrilen Formen und knorrigen Äste besonders gut. Ich kann mich ganz auf ihre Struktur konzentrieren. Zu Hause im Atelier oder in der Druckwerkstatt beginnt für mich aus künstlerischer Sicht die eigentliche Arbeit.

Baobabs „radiert“

Bis vor einigen Jahren habe ich Affenbrotbäume überwiegend gezeichnet – mit Bleistift, Kohle oder Pastellkreiden. Aus Simbabwe importiere ich dafür eigens handgeschöpftes Papier, das sich besonders für die Arbeit mit Kreiden eignet.

Im Sommer 2016 habe ich durch eine glückliche Fügung die Radierung für mich entdeckt. Sie fällt in den künstlerischen Bereich der Grafik und gehört zu den Tiefdruckverfahren. Die Grundlage, das Druckmedium, für diese Technik bilden Platten aus Zink, Kupfer oder Acryl. Ich arbeite derzeit auf Zinkplatten der Größen 15 x 15 Zentimeter und 15 x 20 Zentimeter. Die Platten feile ich an den Kanten flach ab. Das ergibt die so genannten Facetten, die dem Schutz der Filze beim späteren Druckvorgang dienen. Nach dem Feilen poliere ich die Seite der Oberfläche, die später die Radierung trägt.

Wie kommt der Baum auf die Platte?

Bei einer Strichätzung lackiere ich die Platte und lasse sie trocknen. Darauf zeichne ich spiegelverkehrt eine grobe Struktur des Baobabs, den ich mir in mehreren Schritten erarbeiten möchte. Die feinen Linien auf der Platte fahre ich mit einer spitzen Radiernadel nach – das verletzt die Oberfläche des Lacks. Bin ich zufrieden mit der angelegten Zeichnung, lege ich die Platte im nächsten Schritt in ein Bad aus Salpetersäure. Je nachdem, wie kräftig und tief ich mir die Linie wünsche, verbleibt die Platte in der Säure.

Baobab Afrika

Baobab „Afrika“, Strichätzung, Aquatinta, überwalzt, Format 10 x 15 cm

Nach der Ätzung entferne ich den Lack und trage Tiefdruckfarbe gleichmäßig auf. Mit Gaze wische ich die Zinkplatte sorgfältig an den Stellen aus, die weiß oder zumindest hell bleiben sollen – so lange, bis nur noch Farbe in den frisch geätzten Linien bleibt und ein leichter Plattenton zu sehen ist. Dann kommt die Platte auf die vorbereitete Druckpresse. Auf sie lege ich ein angefeuchtetes Blatt Büttenpapier, decke es mit Filzen ab und drehe alles durch die Radierpresse. Ich entnehme Papier und Platte und schaue mir den Andruck an. In weiteren Schritten füge ich kleinere Äste, Blättchen, Höhlen, Schattierungen und Schatten dazu, so lange, bis ich eine Version in der Hand halte, die mir gefällt. Von der Endversion fertige ich verschiedene Drucke und Auflagen an.

Baobab Namushasha

Baobab „Namushasha“, Strichätzung, Aquatinta, Chine Collé, Format 15 x 20 cm

Baobabs und besondere Standorte

Eine meiner ersten Radierungen war ein Baobab aus Namushasha, der in der im Osten der Sambezi Province in Namibia lebt. Die Anfahrt zum „Heritage Center“ und der nahegelegenen Lodge war abenteuerlich – ich hatte kein Allradfahrzeug und wäre ein paar Mal fast im Sand stecken geblieben. Die Mühe hat sich für mich gelohnt: im kleinen Heimatmuseum wächst ein sehr großer, doppelter Baobab. Vermutlich keimte er aus zwei verschiedenen, nebeneinander liegenden Samen. Baobabs wachsen nicht gerne dicht beieinander – die beiden Exemplare lassen das gut ahnen. Da sie mit ihren Wurzeln da in der Erde verankert sind, wo die Samen aufgegangen sind, versuchen sie seit vielen Jahren, mit ihren Baumkronen so weit auseinander zu wachsen wie möglich – für mich ein faszinierender Anblick. Während des Aufenthalts entstanden nicht nur zahlreiche Fotografien von Baobabs, sondern auch ein Kapitel über Baobabs für das Buch „Die Kulturgruppen in Namibias Östlicher Sambesi-Region“, Gondwana Publishers, Namibia.

Baobab Liwonde

Baobab „Liwonde“, Strichätzung, Aquatinta, Chine Collé, Format 15 x 20 cm

Ein weiterer faszinierender Baobab wächst in Malawi im Liwonde Nationalpark – in der Nähe des Parkeingangs. Er hat eine große Öffnung an der Seite, durch die man ins Bauminnere schauen kann. Ein gruseliger Anblick, denn der Baum beherbergt menschliche Überreste: Schädel und Knochen sind noch gut zu erkennen.

Mittlerweile sind mehrere Baobabs entstanden. Derzeit arbeite ich an der Illustration eines Buchs, in dem Baobabs eine Hauptrolle spielen. Das Märchen für Erwachsene soll bis Ende 2018 fertig sein.

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