Baobab Produkte im „Fairtrade-Kleid“

Baobab Früchte

Baobab Früchte

Shamiso Mungwashu kommt aus Chimanimani in der Provinz Manicaland in Simbabwe. Sie bezeichnet sich als Fürsprecherin für organischen und fairen Handel. Ferner glaubt sie an „Access and Benefit Sharing“, einen Ansatz, der Produzenten und Herkunftsländern einen größeren Anteil an den Gewinnspannen der Märkte bescheren soll. „Wir brauchen Firmen in 20 Jahren, die an genau diese Werte glauben. Aber wir müssen den Prozess dafür jetzt in Gang setzen.“ Shamiso studierte Psychologie, Soziologie und Recht und konzentriert sich auf soziales Unternehmertum.

Obwohl sie aus einer Gegend mit höheren Niederschlägen in der Nähe von Mutare kommt, hat sie früh Bekanntschaft mit Baobabs gemacht. Die Bäume wachsen in der Regel in den trockenen, heißen Regionen 4 und 5 in Zimbabwe. „Dort gedeihen Baobabs am besten“, sagt sie. Die für die Landwirtschaft besser nutzbaren Gebiete 1-3 liegen in einer Zone von etwa 200 km um Harare.

Baobab, Masvingo

Baobab bei Masvingo

All-Time Favorit: Baobab Eis am Stiel

Als Kind genoss sie Baobab Eis. Ihre Mutter nahm das Fruchtpulver, gab Zucker und Milch dazu und rührte kräftig. Anschließend siebte sie das Gemisch, bis keine kleinen Stücke mehr darin schwammen und goss die Flüssigkeit in einen kleinen Behälter. Sie gab einen Holzstiel dazu, stellte alles in den Kühlschrank und fertig war das Eis, das Shamiso so sehr mochte.

Andere Süßigkeiten waren nicht leicht erhältlich. Ihre Eltern sagten oft „iss lieber Mango oder Baobab – das ist süß genug.“ Heute sind selbst in ländlichen Gebieten andere Süßigkeiten in Mode. Das, so Shamiso „hat den Baum um seine Beliebtheit gebracht“.

Baobab Teppiche an der Straße, Simbabwe

Baobab Teppiche an der Straße, Simbabwe

Obwohl die Früchte vielerorts „aus der Mode“ gekommen sind, nutzen die Menschen andere Teile der Baobabs auch heute noch. Sie flechten Matten und Teppiche aus seiner Rinde. Vor allem in Masvingo und Umgebung wird diese Tradition gepflegt. Die Produkte werden in die Städte oder entlang der Straßen an vorbeikommende Touristen verkauft. Ursprünglich nutzte man sie als Schlafmatten.

Früher kochten die Frauen mit dem Fruchtpulver und Getreide eine Art Brei. Das Pulver diente außerdem als Backpulver. Harte Fruchtschalen wurden verbrannt und ergaben Pottasche für die Seifenproduktion. Als gesunden Snack schätzte man die Früchte auf Wanderungen durch den Busch.

Baobab Früchte, Straßenverkauf, Simbabwe

Baobab Früchte, Straßenverkauf, Simbabwe

Baobab Nutzung in Dürrezeiten

Immer wieder wird Simbabwe von Dürren heimgesucht, die schwere Hungersnöte verursachen. Einige der wenigen Lebensmittel, die während dieser Notzeiten auf dem Land zur Verfügung stehen, sind die Früchte der Baobabs – weil sie an derartige Konditionen angepasst sind. Das Fruchtpulver trocknet auf natürliche Weise in den harten Fruchtschalen. Deshalb lassen sich die Früchte leicht und lange lagern.

Während einer der letzten Hungersnöte Anfang der 1990er Jahre aßen die Menschen Baobab Porridge, weil nichts anderes mehr zur Verfügung stand. Viele dachten, „wenn mich die Leute sehen, wie ich Baobab esse, denken sie, ich kann mir keine anderen Nahrungsmittel leisten“ sagt Shamiso.

In den Jahren nach der Dürre kamen billigere Snacks auf den Markt. Die Menschen kauften sie, weil das ein Ausdruck von Wohlstand für sie war. Niemand wollte gesehen werden, wie er Baobab isst. Die Bevölkerung schätzt die Früchte nicht mehr – das Stigma hält sich hart.

Baobab Früchte im Sack

Baobab-Früchte im Sack

Arbeit mit lokalen „Baobab“ Communities

Shamiso kam wieder mit Baobab in Kontakt, als sie ihre Arbeit bei der Organisation KAITE im Jahr 2011 begann. KAITE hat sich zum Ziel gesetzt, die sozialen und wirtschaftlichen Lebensstandards von Kleinbauern in Simbabwe zu erhöhen. Ihr Fokus liegt auf innovativem ökologischem Landbau, nachhaltigem Unternehmertum, Gemeindeentwicklung und Stärkung – vor allem von Frauen in der Landwirtschaft. Zu den Aufgaben gehört die Öffnung internationaler Märkte für lokale Produkte sowie die Einführung von Baobab auf heimischen Märkten.

Mit finanzieller Unterstützung des „Hilfswerks“, einer österreichischen Entwicklungsorganisation, startete KAITE Kampagnen in Dörfern. Dort fiel auf, dass die Menschen vom Baobab nicht besonders begeistert waren: „Oh, das ist nur Futter für Kühe und Ziegen und Kinder essen es.“

Baobab Fruchtsammlerin

Baobab Sammlerin, Masvingo, Simbabwe

KAITE begann mit der Sensibilisierung für die Vorzüge des Baobab und die Entwicklung neuer Märkte. Shamiso bringt es auf den Punkt: „Etwas wieder in Wert setzen, das keinen Wert mehr hat.“ Nach einer Weile änderte sich die Wahrnehmung der Leute für Baobab. Sie begannen ihn als Quelle für ihren Lebensunterhalt zu sehen. Darüber hinaus erkannten sie, dass es Baobabs nicht überall gibt und nicht alle Menschen Zugang zu diesen Früchten haben. Ihre Wertschätzung für die Bäume wuchs.

Baobabs müssen geschützt werden

Nicht alle Früchte dürfen dem Ökosystem bei der Ernte entnommen werden. Sie werden zur Reproduktion für die Baobabs benötigt. Daher durchliefen hunderte von Menschen Trainingsmaßnahmen zu nachhaltiger Ernte und zur Erhaltung der Bäume.

Die Baobab Sammler erfuhren alles Notwendige über Baobab Ökologie und Relevantes für das Marketing. Solange die Früchte an den Zweigen in den Bäumen hängen sind sie nicht reif für die Ernte. Sobald sie auf den Boden fallen, ist das Fruchtpulver trocken genug und hat eine Qualität, die auch einen guten Preis auf dem Markt erzielt.

Einige der Baobabs in den Sammelgebieten sind sehr alt, für junge Triebe ist das Überleben schwer. Bei hoher Bevölkerungsdichte ernten zu viele Menschen Baobab Blätter von kleinen Bäumen, um daraus eine würzige Soße herzustellen. Ziegen, Hühner und Kühe lieben die Sprösslinge und knabbern sie mit großem Appetit ab. Alles in allem haben die Bäumchen wenig Chance zu überleben.

Baobab Keimling

Baobab Keimling

Deshalb muss der Baobab Nachwuchs geschützt werden – vor allem in den ersten drei Lebensjahren. Einige Dorfgemeinschaften haben mit der Aufzucht von Baobabs aus Samen begonnen, um sie auszusetzen. Dabei haben sie entdeckt, dass die Samen am besten auskeimen, wenn sie zuvor durch das Verdauungssystem von Kühen oder Ziegen gegangen sind.

Shamiso ist überzeugt von dem, was sie tut. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich das vorherrschende wirtschaftliche Klima ändert und sich zu einer Haltung entwickelt, bei der „Geld machen“ zwar immer noch eine Rolle spielt – aber auf eine „ethisch basierte“ Art und Weise, wie sie es nennt. „Die Produkte müssen in einem Fairtrade-Kleid gut aussehen.“

Shamiso Mungwashu, Baobab Produkte

Shamiso Mungwashu, KAITE

Mehr Information: KAITE

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