Baobab Blüten verzaubern die Nacht

Baobab Blüte

Baobab Blüte

Die Sonne verschwindet wie ein roter Feuerball am Horizont, die Baobabs werfen lange Schatten. Es wird Nacht im Land der Affenbrotbäume. Höchste Zeit für die Nachtaktiven dieser Welt – auch Baobabs gehören dazu.

Baobab Blüten-Spektakel

Sie haben eine ganz besondere Angewohnheit: sie BLÜHEN NACHTS! Am späten Nachmittag oder um den Sonnenuntergang beginnt das Spektakel. Die Knospen sind außen grün und hängen wie Pendel vom Baum – ähnlich wie später die Früchte. Zunächst rollen sich die äußeren Schutzhüllen der Knospen in Richtung Stängel auf.

Baobab Knospe

Baobab Knospe

Baobab Blütenblätter öffenen sich sekundenschnell

Langsam quellen die weißen Blütenblätter des Blütenkelchs aus ihrer engen Hülle. Nach und nach zeigt sich auch der Blütenstempel (Blütenkronenröhre). Er ist etwas länger als die Blütenblätter. Die ganze Aufmerksamkeit gehört nun der Blüte: wenn sie so weit ist, entfalten sich die Blütenblätter binnen Sekunden – fast so, als würde man einen Regenschirm aufspannen! Ein phantastischer Anblick. Danach ist das Innere der Blüte mit den Staubgefäßen sichtbar.

Jeder Baobab hat seinen Rhythmus

Offenbar hat jeder Baum seinen eigenen Rhythmus, in dem er die Blüten öffnet. Manche sind sehr schnell und öffnen ihre Blüten schon kurz vor Sonnenuntergang und binnen 30 Minuten – andere benötigen zwei Stunden und mehr. Der Baum, den ich beobachtete, gehörte zu letzterer Kategorie und war eher ein „Spätzünder“. Spätestens am nächsten Morgen sind die Blüten ganz geöffnet.

Hunderte von Baobab Knospen

An einem großen, alten Baum können hunderte von Knospen hängen. Nicht alle öffnen sich am selben Tag – aber die, die sich öffnen, tun dies fast synchron – als ob der Baum ein stilles Zeichen gibt. Ob sich eine Knospe am Abend öffnet, kann man bereits am Nachmittag sehen – die Knospen schwellen an und zeigen einen Spalt an ihrer Unterseite.

Baobab Doppelknospe

Baobab Doppelknospe

Baobab Blüten und Bestäubung

Schon am Anfang der Öffnungsphase werden die Blüten von verschiedenen Insekten besucht. In Simbabwe fanden sich Rosenkäfer ein, die entweder vom Nektar naschten oder die Blütenblätter anknabberten. In der Venda-Gegend in Limpopo/Südafrika kamen eifrige Schwärmer (Motten, Hawkmoth), die sich am Nektar labten. In anderen Gegenden wird die Befruchtung der Blüten auch von Fledermäusen und Bushbabys übernommen.

Baobab Blüten duften herb

Erwartet man von den zauberhaften Blüten das Verströmen lieblichen Dufts wie bei Rosen oder Jasmin wird man enttäuscht. Sie verströmen eher einen herben Geruch, der je nach Blütenphase intensiver werden kann. Manche vergleichen ihn mit dem von Aas. Soweit würde ich nicht gehen. Bei meinem letzten Besuch im Krüger Nationalpark kam ich an einem verendeten Nilpferd vorbei – dieser Geruch unterschied sich ganz essentiell von dem der Baobab-Blüten.

Baobab Blüten kommen zur Regenzeit

Kurz vor oder zu Beginn der Regenzeit treiben die Baobabs ihre Blätter aus. Fast zeitgleich entstehen auch die Knospen. Nach etwa vier Wochen beginnen die Baobabs dann zu blühen. Die meisten Baobabs blühen einmal im Jahr. An der Elfenbeinküste gibt es Baobabs, die zwei Mal im Jahr blühen und die entsprechend auch zwei Mal Früchte tragen. Es soll auch Baobabs geben, die nicht jedes Jahr blühen.

Im südlichen Afrika beginnt die Regenzeit meist im November und zieht sich bis in den Januar hinein. Abhängig ist die Länge der gesamten Blütezeit von verschiedenen Faktoren: zum Beispiel dem Start der Regenzeit, der Länge und Intensität der Regenfälle, der Höhe des Standorts und der Feuchtigkeit im Erdreich.

Baobab Blühzyklus in nur 24 Stunden

Im Durchschnitt beginnen Baobabs mit etwa 20 Jahren zu blühen und Früchte zu tragen. Es gibt aber deutliche regionale Unterschiede. In Westafrika blühen Baobabs manchmal schon mit acht bis zehn Jahren, im südlichen Afrika erst mit über 20 Jahren.

Je nach Standort ist eine Blüte nur etwa 12 – 18 Stunden zur Befruchtung bereit, danach verliert sie ihre Fruchtbarkeit – sie sieht dann zwar immer noch sehr schön aus, kann aber nicht mehr bestäubt werden. Im Verlauf des Vormittags verwelkt die Blüte – abhängig vom Standort und der vorherrschenden Temperatur kann dieser Vorgang sehr schnell gehen. Die verwelkten Blütenblätter werden braun. Sie gleiten am Blütenstempel herunter und fallen auf die Erde. Dort werden sie bevorzugt von Ziegen und Rindern aufgelesen und verspeist. Innerhalb von 24 Stunden ist ein Blütenzyklus vom Erblühen bis zum Verwelken der Blüte beendet.

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